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Colchicum

12. November 2009 - 10:56 -- Gast (nicht überprüft)

Ein immer dankbar blühendes und noch lange nicht genug geschätztes Zwiebelgewächs ist die wochenlang im Flor stehende Herbstzeitlose oder Wiesensafran. Während die Blütezeit bei fast allen Formen, wie schon der Name besagt, in die Herbstmonate fällt, entwickelt diese Pflanze erst im darauffolgenden Frühling die langen, schmalen Blattteile, die bis zum Juni ihr Wachstum beendet haben und dann einziehen.

Die Zwiebel macht dann bis zur Entfaltung der Blüte eine kurze Ruhezeit durch. Daher ist die beste Verpflanzzeit dieses Zwiebelgewächses im Juli-August.

Colchicum autumnale ist die bekannte, wilde Form, die mit ihren zartlila oder pupurrosa farbenen Blumen auf unsern Wiesen oft in großen Mengen anzutreffen ist. Auch eine weiß gefüllt blühende Form, C. autumnale album, ist von großer Schönheit. Andere prächtige Spielarten davon sind C. speciosum, aus dem Kaukasus stammend, mit pupurlila farbenen Blumen, eine der schönsten; weiter C. cilicicum, tiefrosa, C. Decaisnei, zart rosa, C. Sibthorpii, prächtig zartlila, C. Ritschii, rein weiß, und die meist erst im Frühling blühende C. montanum, zartrot.


An feuchten Gartenstellen ist ihre Verwendung besonders in Verbindung mit den im Herbst blühenden Krokusformen eine sehr dankbare, und es ist eigentlich merkwürdig, dass dieser schöne Blüher bisher dort noch so wenig angetroffen wird.

Vermehrung durch Brutzwiebeln.

Achtung: So schön die Herbstzeitlose auch ist, sie ist giftig!  Und zwar so giftig, dass sogar im Jahre 1839 ein Grabgesang von Michael von Jung geschrieben wurde:

Bey dem Grabe zweier Kinder, die Gift gegessen hatten

1. Als in der schönsten Blumenzeit
Zwei Kinder sich erquickten,
Und sich in unschuldvoller Freud
Die schönsten Blumen pflückten;
Da fanden sie im Wiesengrund
Der Herbstzeitlose Samen,
Wo sie, entzückt bei diesem Fund,
In höchster Wonne schwamen.

2. Sie öffneten den Samenkelch
Worin sie Körnchen fanden
Von blühend weisser Farb; und welch
Entzücken sie empfanden!
Das müßen Zuckerkörnchen seyn,
So sprachen sie, und nahmen,
Betrogen von dem falschen Schein,
Für Zucker diesen Samen.

3. Zum Unglück war kein Mensch dabei
Sie weislich zu belehren:
Daß dieser Samen giftig sey
Wie viele schöne Beeren;
Auch waren sie zum Schulbesuch
Zu jung, und nicht verpflichtet,
Sonst hätte sie sogleich ein Buch
Von Giften unterrichtet.

4. Sie assen nun mit Lüsternheit
Den giftgefüllten Samen,
Wovon sie schon in kurzer Zeit
Die größte Qual bekamen;
Sie eilten zu den Eltern heim,
Und klagten über Schmerzen,
Und trugen schon den Todeskeim
In ihren bangen Herzen.

5. Die Schmerzen nahmen überhand
Im aufgebäumten Magen,
Daß jedes wie ein Wurm sich wand,
In grenzenlosen Plagen.
Man rief sogleich den Arzt herbei:
Was doch den Kindern fehle,
Und was es für ein Übel sey,
Das sie so grausam quäle.

6. Der Arzt erschien, und sagte: daß
Sie Gift bekommen haben,
Gab ihnen ohne Unterlaß
Die allerbeßten Gaben;
Allein die Hülfe kam zu spat,
Dem Gift zu widerstehen,
Und ach! sie mußten ohne Gnad
Dem Tod ins Auge sehen.

7. Denn bald erschien des Todes Farb
Auf ihren Angesichtern,
Es brach ihr armes Herz, und starb
In Zuckungen und Gichtern.
Da lagen sie im Todesarm
Die starren Kinderleichen,
Und ihrer Eltern Gram und Harm
Ist keiner zu vergleichen.

8. Sie werfen auf die Leichen sich,
Befeuchten sie mit Thränen
Und ihr Geheul ist fürchterlich
Und lößt sich auf in Stöhnen;
Sie möchten bei der Kinder Tod
Auch sich zu Grabe stürtzen,
Und ach! ihr grosser Jammer droht
Ihr Leben abzukürtzen.

9. Und sicher wird es beim Gericht
Den Eltern beigemessen,
Wenn sie bei ihrem Unterricht
Die weise Lehr vergessen:
Die Kinder möchten ja doch nie
Was Unbekanntes essen,
Es sey ja öfter schon für sie
Der Tod darin gesessen.

10. Und o ihr Kinder! lasset euch
Durch diesen Fall belehren,
Und euch das Naschen doch sogleich
Von euren Eltern wehren,
Und esset ja doch nichts, als wenn
Die Eltern es erlauben,
Es könnte, wärs auch noch so schön,
Euch doch das Leben rauben.

11. Nun ruhet sanft im Erdenschoos,
Ihr unschuldvollen Kinder!
Denn glücklicher ist euer Loos
Als das verstockter Sünder.
Zwar hat des Todes Hand gepflückt
Euch schon in zarter Blüthe,
Hingegen ewig euch beglückt
Des Allerhöchsten Güte.
 

 

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