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Leim selbst anrühren

Hier geht es darum, Leim selbst herzustellen - so, wie es teilweise bis in die 1950iger Jahre üblich war und teilweise auch immer noch bei Restauratoren und Kunsthandwerkern ist. Die Leime (Hasenleim oder Hautleim) sind tierischen Ursprungs und unkompliziert in der Anwendung. Sie sind alterungsbeständig, aber man kann sie durch Erhitzen auch wieder lösen. Dadurch sind sie besonders reparaturfreundlich. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sie ohne Probleme überlackieren und beizen kann. Außerdem sind sie als Mal- und Vergoldungsgrundierung geeignet. 

 

Früher hat man den Leim gekocht, was aber eigentlich gar nicht nötig war, da der Leim schon in den Leimsiedereien gekocht wurde. Daher mussten die Leimtafeln, die man damals kaufen konnte, einen Tag vor Gebrauch in kaltes Wasser gelegt. Sie quollen dann auf und wurden weich und gallertartig. Dann wurden die aufgequollenen Tafeln in einen Topf gegeben und bei schwacher Hitze oder im Wasserbad geschmolzen. Diese Leimtafeln kann ich im Internet so nicht finden, allerdings gibt es Hasen- und Hautleim als Granulat, das genauso verarbeitet wird.

 

Auf keinen Fall darf man den Pinsel im Leim stehen lassen, denn man würde ihn nicht mehr aus dem Topf herausbekommen, ohne dass er Borsten verlieren würde. Um dies und das Anbrennen des Leimes zu verhindern, kaufte man sich früher beim Klempner eine Leimlampe oder Leimmaschine oder bastelte sich selbst eine aus Blech und einer kleinen Spirituslampe.

A ist ein zylinderförmiger Behälter, der oben offen ist und unten über dem Boden eine kleine Öffnung zum Hineinschieben des Lämpchens hat. 
B ist der Wasserbehälter, der mit seinem breiten Rande auf dem des ersten Behälters hängt. 
C ist der Leimbehälter, welcher wieder mit seinem Rande oben 2 und nach dem Boden zu enger wird, damit er stets von heißem Wasser umspielt werden kann. Der Leimbehälter wird durch die Scheidewand D in zwei Hälften geteilt, so das man dünnen Leim zum Überziehen und starken zum Zusammensetzen der Pappe zu gleicher Zeit haben kann.

 

Stellt man nun das Spirituslämpchen brennend hinein, wird dadurch das Wasser erhitzt. Dadurch wird dann der Leim geschmolzen ohne dass die Gefahr besteht, dass der Leim anbrennt. Die Scheidewand dient außerdem zum Abstreichen des Pinsel, da man dies nie am Rand machen soll.

Äußere Ansicht der Leimmaschine

 

Guten Leim erkennt man daran:

  • Er muss sehr hart und bruchfest sein.
  • Es soll einen hellen, klappernden Ton geben, wenn man ihn aufschlägt.
  • Er soll durchsichtig und hell erscheinen.

Wenn die Oberfläche frei von Blasen und Flecken ist und glatt durchbricht, ist dies ein gutes Zeichen. Dünne Tafeln sind besser als dicke und der Leim darf nicht unangenehm riechen.

 

Bei allem darf man eines aber nicht vergessen: Leim ist zwar ein natürlicher Klebstoff, aber er wird durch Auskochen von tierischen Abfällen (leimgebende Körper) gewonnen.

 

Bezugsquellen*:
Hasenleim bei Amazon

 

Bild ganz oben: Simon A. Eugster [GFDL or CC BY-SA 3.0 ], from Wikimedia Commons