11. Juni 2026

Duftendes Räucherwerk selber machen

Duftendes Räucherwerk selber machen

Räucherwerk – das sind Räucherstäbchen und -kegel, Räucherpapiere und -stengel, Räuchertäfelchen und -bänder und Duftsäckchen und -kissen. Heute bekommt man Räucherwerk in dieser Form auf jedem Weihnachtsmarkt. Manches davon kann man einfach auf die althergebrachte Weise selbst herstellen und benötigt dafĂĽr nur ein wenig Geschick. Anderes ist durch unsere modernen Materialien von der Herstellung her schnell und einfach. Das Resultat ist auf jeden Fall etwas ganz Individuelles – entweder fĂĽr die eigene Wohnung oder als Geschenk. Und wer mag, kann das Ganze sogar auf Weihnachtsmärkten und Basaren verkaufen.

Sicherheit geht vor!

Bitte beachte, dass diese Rezept schon sehr alt sind und vielleicht nicht so funktionieren, wie wir es gewohnt sind.

Beachte bitte, dass ätherische Öle eine Wirkung auf deinen Körper und deine Psyche haben können!

Ebenfalls sehr wichtig: Wenn du mit Feuer hantierst, musst du ganz besonders vorsichtig sein, denn ätherische Öle sind brennbar.

Wenn du diese Rezepte also ausprobierst, handelst du auf eigene Gefahr. Ich ĂĽbernehme dafĂĽr keine Verantwortung.

Räucherpapier

Räucherpapiere  werden in zweierlei Weise verwendet: Entweder mal zĂĽndet sie an und lässt sie verglimmen, oder man erwärmt sie auf einer heiĂźen Platte.

In letzterem Falle tränkt man gutes Schreibpapier durch Bepinseln oder Eintauchen mit einer stark harzhaltigen Räucheressenz; im ersten Falle dagegen wird ein etwas poröses Papier zuerst mit einer mäßig starken Salpeterlösung getränkt und dann, nach dem Trocknen mit Räucheressenz überzogen. In beiden Fällen wird gewöhnlich die Gebrauchsanweisung auf das Papier gedruckt.

Rezepte für eine harzhaltige Räucheressenz

Benzoe, Tolubalsam oder Perubalsam und Weihrauch zu gleichen Teilen werden bei niedriger Temperatur vorsichtig geschmolzen, dann mit etwa dem gleichen Gewicht einer Räucheressenz vermischt und noch warm auf starkes Schreibpapier gestrichen.

Die einfachste Art, Räucherpapiere selbst herzustellen, dürfte aber sein, einfach flammhemmendes Papier mit ein paar Tropfen Duftöl zu versehen.

FrĂĽher hat man es im Grunde nicht anders gemacht – allerdings musste man sich das flammhemmende Papier selbst herstellen. DafĂĽr gab es verschiedene Rezepte, die man natĂĽrlich auch heute noch verwenden kann.

Räucherpapier nach Askinson

Am einfachsten dürfte heutzutage Alaun zu besorgen sein (Räucherpapier nach Askinson). Dies löst man in heißem Wasser auf (1:10) und zieht einen Streifen saugfähiges Papier hindurch (also eher billiges Druckerpapier als hochwertiges Fotopapier). Dann hängt man es zum Trocknen auf. Anschließend kann man es entweder mit einigen Tropfen ätherischem Öl beduften oder man hält sich an das Originalrezept und löst einen Teil Benzoe, einen Teil Tolubalsam, einen Teil Tonkabohnenessenz und einen Teil Vetiveressenz in 3 Teilen Spiritus (95 %) auf und streicht diese Mischung auf das Papier.

Alternativ dazu kann man beim Basteln das Papier zuerst mit einer Salpeterlösung (1:10) tränken. Auch dieses Papier wird nach dem Trocknen beduftet. Das fertige Räucherpapier wird in schmale Streifen geschnitten und angezĂĽndet. Dann wird die Flamme sofort wieder ausgeblasen. Das Papier glimmt nun unter FunkensprĂĽhen weiter und verbreitet einen sehr angenehmen Geruch. Allerdings ist Salpeter nicht ganz einfach zu bekommen und auĂźerdem alles andere als ungefährlich bei der Verarbeitung. Im Originalrezept wird das getrocknete Papier dann mit einer Duftmischung aus 75 Teilen Benzoe, 50 Teilen Sandelholz, 50 Teilen Weihrauch, 5 Teilen Lemongrasöl,  5 Teilen Vetiveressenz und 25 Teilen Spiritus (95 %) bestrichen.

Räucherpapier nach Dieterich

Beim „Räucherpapier nach Dieterich“ wird ebenfalls einfaches Schreibpapier verwendet, das – je nach gewähltem Duft – das ganze Jahr ĂĽber zum Einsatz kommen kann. Genau wie bei der oben genannten Salpeterlösung sind allerdings auch hier die Zutaten etwas problematisch, denn es werden dafĂĽr Benzoe und Storax in Spiritus und Ă„ther aufgelöst, durchgesiebt, mit einer Räucheressenz (Duftmischung) und Essigsäure vermischt und dann auf starkes Schreibpapier gestrichen. Die Bogen werden  auf SchnĂĽren getrocknet, nachher in StĂĽcke von gewĂĽnschter Größe geschnitten und, um das Zusammenkleben zu vermeiden, mit Talkum abgerieben.

Wenn man einmal angefangen, Räucherpapiere und Räuchertafeln zu basteln, benötigt man auch verschiedene Räucheressenzen. Hier ein Rezept für eine blumige Essenz.

Rezept für eine Blumen-Räucheressenz

  • Pommeranzenöl 7,5 Teile
  • Geraniumöl 5,0 Teile
  • Nelkenöl 2,5 Teile
  • Lavendelöl 5,0 Teile
  • Cumarin 3,0 Teile
  • Moschuswurzeltinktur 50,0 Teile*)
  • Tolubalsamtinktur 60,0 Teile
  • Benzoetinktur 60,0 Teile
  • Veilchenwurzeltinktur 125,0 Teile
  • Vanilletinktur 125,0 Teile
  • Heliotropextrakt 250,0 Teile
  • Spiritus 310,0 Teile

Heliotropextrakt ist heutzutage nicht frei verkäuflich. Als Alternative könnte man einen Duft wählen, der vanilleartig ist.

Räucherband

FĂĽr die Benutzung dieses Räucherbandes hatte man frĂĽher eigene Lämpchen oder Vasen, in deren Deckeleinschnitt das Band genau hineinpasste. Es wurde beim Gebrauch ein Ende herausgezogen und, wie beim „verbrennlichen Räucherpapier“, zum Verglimmen gebracht. FĂĽr das Basteln des Bandes benötigt man auĂźer einer Räucheressenz noch ein Baumwollband und eine Salpeterlösung.

Zuerst wird schmaler Flachdocht aus Baumwolle mit einer Salpeterlösung (1:10) getränkt und nach dem Trocknen in eine beliebige, aber recht kräftige Räucheressenz getaucht. Nach dem abermaligen Trocknen wird das Band aufgerollt.

Anstelle einer besonderen Lampe oder Vase kann ich mir vorstellen, dass man einfach eine Petroleumlampe statt dessen verwendet. In die Petroleumlampe kommt natĂĽrlich nur das Band als Räucherwerk – Petroleum wird nicht in die Lampe gefĂĽllt.

Räuchertäfelchen

Räuchertäfelchen werden aus gebranntem Gips gegossen, der mit groben Bimssteinpulver vermischt wird. Dafür vermischt man 25 Teile grobes Bimssteinpulver mit 75 Teilen Gips und rührt das Ganze mit Wasser zu einem dünnen Brei an. Dieser wird in Gießformen gefüllt und muss dort aushärten. Wenn der Gießling entformt wurde, tränkt man ihn mit Räucheressenz. Nachdem er oberflächlich getrocknet ist, wird er in Alufolie eingepackt und bekommt einen Anhänger mit Gebrauchsanweisung. In Zeiten von Shabby Chic und Vintagebasteleien passt vielleicht die Original-Anleitung gut auf einen schön gestalteten Anhänger:

„Man lege das Täfelchen in oder auf den Ofen an eine nicht zu heiĂźe Stelle und belasse es daselbst so lange, bis die Räucherung hinreichend ist. Man schlage es dann wieder in Staniol ein und bewahre es fĂĽr den nächsten Gebrauch auf.“

Duftkissen oder Duftsäckchen

Auch Duftkissen oder Sachets gehören zu Räucherwerk und lassen sich sehr einfach selbst herstellen. Es werden zuerst kleine Säckchen aus bunten Stoffen hergestellt, bei denen die obere Seite offen gelassen wird. Dann wird ein Duftpulver (Rezepte weiter unten) zwischen dĂĽnne Wattenschichten eingebettet, das Ganze in  dĂĽnnes Seidenpapier eingeschlagen und in das Stoffsäckchen gelegt, das anschlieĂźend entweder als Duftkissen zugenäht oder als Duftsäckchen zugebunden wird.

Statt Seidenpapier kann man auch eine schöne Papierserviette verwenden und statt einem Stoffbeutel ein Organzabeutelchen – Serviettenmotiv und die Farbe des Organzas sollten natĂĽrlich zusammenpassen.

Duftpulverrezept „Frangipani“

  • Veilchenwurzelpulver 850 Teile
  • Sandelholzpulver 50 Teile
  • Vetiverwurzelpulver 100 Teile
  • Rosenöl 2 Teile
  • OrangenblĂĽtenöl 2 Teile
  • Sandelholzöl 2 Teile
  • Moschustinktur 1 Teil*)
  • Zibethtinktur 2 Teile*)

Dieses – und auch das folgende Rezept fĂĽr Räucherwerk sind mehr als 100 Jahre alt. Die Mengen waren fĂĽr Leute gedacht, die die Mischungen bzw. die Duftsäckchen oder -kissen verkauften – zum Beispiel in Friseurgeschäften. Wer also nicht gerade auf den Markt geht oder einen Onlineshop betreibt, sollte die Mengen verringern.

Duftpulverrezept „Jokey Club“

  • Veilchenwurzelpulver 500 Teile
  • Stärkemehl 250 Teile
  • Rosenblätterpulver 250 Teile
  • Geraniumöl 5 Teile
  • Bergamottöl 5 Teile
  • Moschustinktur 10 Teile*)
  • Zibethtinktur 5 Teile*)
  • Patchouliöl 5 Teile

Duftpulverrezept „Sachet a la Violette“

  • Veilchenwurzelpulver 500 Teile
  • Stärkemehl 500 Teile
  • Veilchenwurzelöl 5, Teile
  • Geraniumöl 2 Teile
  • Bergamottöl 3 Teile
  • Bittermandelöl 2 Trpf.
  • Moschustinktur 5 Teile *)

*) Statt Moschus und Zibeth verwendet man heute künstliches Moschus- und Amberöl.

Duftölmischung für die Duftlampe oder zum Beduften von Badesalz und Co.

Verwendet man „moderne“ Duftmischungen, kann diese entweder in die Duftlampe packen, Veilchenwurzelpulver als Träger fĂĽr die Herstellung von Duftkissen verwenden oder die Mischungen auf Räucherpapiere aufbringen. Hier ein etwas neueres Rezept fĂĽr Räucherwerk (wobei es hier – im Gegensatz zu den vorherigen Rezepten – um eine sehr kleine Menge fertige Ă–lmischung handelt) dafĂĽr:

Rezept „Orient“

Dieser Duft hat eine sehr entspannende Wirkung.

  • 3 Tropfen Sandelholz
  • 2 Tropfen Rose
  • 1 Tropfen Neroli
  • 2 Tropfen Ylang-Ylang

Für diese Duftmischung verwendet man reine ätherische Öle. Dann kann man sie sogar für das Beduften von Badesalzen oder anderen Körperpflegemitteln verwenden.

Umgang mit den ätherischen Ölen und Räucherwerk

Generell sollte man bei der Verwendung von ätherischen Ă–len und ParfĂĽmölen fĂĽr Räucherwerk darauf achten, dass die Ă–le eine gute – besser noch sehr gute – Qualität haben. Gerade bei ätherischen Ă–len ist dies doppelt wichtig. Denn diese Ă–le duften nicht nur gut, sondern haben zum Teil auch eine groĂźe Wirkung auf den Körper. Sie können daher gezielt gegen verschiedene „Wehwehchen“ eingesetzt werden. Sie können aber auch Kopfschmerzen, Nervosität oder Ăśbelkeit auslösen.

Aber auch bei ParfĂĽmölen gibt es groĂźe Unterschiede, denn diese Ă–le werden fĂĽr unterschiedliche Verwendungszwecke hergestellt und dementsprechend mit Lösungsvermittlern gemischt. Nicht jedes ParfĂĽmöl eignet sich also fĂĽr die Herstellung von Räucherwerk. Ein Ă–l, das fĂĽr kosmetische Zwecke hergestellt wurde, sollte zum Beispiel nicht verbrannt werden. Das gleiche gilt fĂĽr WaschmittelparfĂĽm (ja, auch WaschmittelparfĂĽm kann so toll duften, dass man es am liebsten in die Duftlampe packen wĂĽrde) oder ParfĂĽmöle, mit denen man sich bekannte ParfĂĽmmarken nachmachen kann. Bei all diesen Ă–len handelt es sich nicht um reine Ă–le, sondern es wurden Fixierer und andere Trägersubstanzen hinzugefĂĽgt, bei denen wir nicht wissen, ob und wenn ja, wie, sie reagieren, wenn sie verbrannt werden.  Ja… wenn wir ehrlich sind, wissen wir ja nicht einmal, welche Substanzen verwendet wurden und allein deshalb heiĂźt es schon: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.“

Generell sollte man aber auch daran denken, dass nicht alles, was „kĂĽnstlich“ ist, zwangsläufig auch schlecht ist. Wichtig ist aber, dass man sich an den ursprĂĽnglichen Verwendungszweck hält, damit man sich nicht aus Versehen gesundheitlichen Schaden zufĂĽgt.

Weitere Anleitungen, Ratschläge und Tipps

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Ăśber die Autorin

Bastelfrau (Barbara)
Basteln begleitet mich seit meiner Kindheit. 1987 startete ich auf Kunsthandwerkermärkten, 1991 eröffnete ich den Laden Die Duft- und Malstube. Später gab ich groĂźe Bastelkurse auf Campingplätzen – teils mit ĂĽber 100 Teilnehmer*innen – und erhielt den Namen Bastelfrau. Heute betreibe ich bastelfrau.de mit unabhängigen Anleitungen. Veröffentlicht habe ich zwei KreativbĂĽcher beim Frech Verlag, ein Buch beim Christopherus Verlag und die Bastelzeitschrift Bastelfrau mit dem Verlag Kindermedien. AuĂźerdem präsentierte ich Bastelideen in Volle Kanne Susanne (ZDF) und im Kinderkanal. Mehr erfährst du auf meiner „Ăśber mich“-Seite.

2019-12-28 00:00:00