Flechtweben auf Pappe in rechteckiger Form

Da diese Arbeit so sehr einfach ist, können sie sogar Kinder, die noch nicht in die Schule gehen, ausführen. Eigentlich ist es ja eine dem Flechten mit Papierstreifen verwandte Arbeit; doch ist sie sehr viel erfreulicher, weil man richtige Gebrauchsgegenstände daraus machen kann. Da kann man einen schönen Puppenteppich oder eine Puppenmütze oder einen Schal machen, da kann man für die Mutter, die Großmutter, die Tante ein kleines Geschenk machen. Und das ist doch eine große Freude. Natürlich – ein Großer muss zuerst ein wenig helfen, die Pappe zuzuschneiden, die Löcher zu bohren und die Hilfsfäden zu ziehen. Dann kann aber das Kind selbst arbeiten.

Für kleine Webereien ist nicht unbedingt ein Web- oder Flechtrahmen nötig. Dazu kann einfach ein Stück feste Pappe als Unterlage verwendet werden.

Abb. 1. Nährolle und Täschchen

Die Pappe wird mit einer großen Schere oder mit einem Messer (am Eisenlineal entlang!) rechtwinklig zugeschnitten. Sie soll nach allen Seiten 1-2 cm größer sein als die vorgesehene Arbeit. An den beiden Schmalseiten zieht man 1-2 cm vom Rande entfernt einen Strich und sticht mit einem Pfriem oder einer starken Nadel Löcher durch die Pappe – in Abständen von 1/2 cm genau dem Strich entlang. Durch diese beiden Lochreihen zieht man einen festen Zwirnsfaden, einmal hin und einmal her und verknotet die Enden gut miteinander. Sind alle Löcher mit einer Hilfsfadenschlinge untereinander verbunden, so zieht man zwischen diesen beiden Fadenreihen nun Woll-, Bast- oder Baumwollfäden hin und her.

Abb. 2. Gespannte Kette

Diese Fäden sind die Kettfäden, über die im Verlauf der Anleitung noch vielerlei gesagt wird. Die Flechtfäden nennt man Schussfäden. Wollen wir ein Streifenmuster arbeiten, so spannen wir einen dünnen Kettfaden (am besten aus Baumwolle) auf und flechten mit verschiedenfarbigen stärkeren Woll- oder Bastfäden durch. Soll ein Karomuster entstehen, werden verschiedenfarbige Kettfäden, z. B. 3 blaue, 2 rote, 1 weißer, 3 blaue, 2 rote, 1 weißer usw. aufgespannt; denn in diesem Falle bilden die bunten Kettfäden mit das Muster. Nun werden Schussfäden aus demselben Material in gleicher Farbeneinteilung reingewebt.

Nachdem wir die Kettfäden gespannt und Anfang- und Endfaden gut befestigt haben, nehmen wir eine starke, stumpfe Stopfnadel, fädeln den Schussfaden ein und führen die Nadel wie beim Strümpfestopfen über den einen, unter dem anderen Kettfaden hindurch, so dass beim ersten Durchgang Faden 1, 3, 5, 7 usw. aufgenommen werden, beim zweiten aber Faden 2, 4, 6 usw (Abb. 3).

Abb. 3. Durchgeflochtener Schussfaden

Die Schussfäden müssen beim Karomuster in gleicher Stärke wie der Kettfaden und in gleichfarbiger Anordnung durchgezogen werden. Anfang und Ende der durchgeflochtenen Fäden werden so vernäht, dass man sie bis ungefähr zum vierten oder fünften Kettfaden einzieht und dann abschneidet. Die Schussfäden müssen immer gleichmäßig angezogen werden, nicht zu fest, aber auch nicht zu lose, damit ein gleichmäßiges Gewebe entsteht. Die Schussfäden werden mit der Stopfnadel gleichmäßig aneinander angeschoben. Damit die Arbeit mit dem Schussfaden nicht zu stark zusammengezogen wird, steckt man durch die erste und letzte Hilfsfadenschlaufe je eine Stricknadel, um die die Schussfadenschlinge nun herumgelegt wird. Wenn wir das Stück fertig gewebt haben, schneiden wir die Hilfsfadenschlingen auf der Rückseite der Pappe durch und nehmen die Arbeit ab. Die lose hängenden Fadenenden der Kette werden in die linke Seite des Gewebes eingezogen, d.h. vernäht. Die linke Seite ist die, die uns bisher angesehen hat, die der Pappe zugewandte sieht immer schöner aus und ist darum die rechte.

Abb. 4. Nadelbuch

Allerlei kleine Gegenstände lassen sich auf diese einfache Art herstellen. Auf den Abb. 1 und 4-6 sehen wir einige, die uns zu ähnlichen Arbeiten anregen sollen. Nadelbuch, Nährolle und Taschchen sind aus gleichgroßen Webestücken gearbeitet werden, die auf derselben Pappunterlage gewebt wurden. Sie sind dann nur verschieden verarbeitet worden. Das Nadelbuch (Abb. 4) bekam eine Stoffeinlage zum Einstecken der Nadeln und jede Seite ein bunt geflochtenes Schnürchen zum Zubinden. Bei der kleinen Tasche (Abb. 1) sind zwei Drittel des Stückes aufeinandergelegt und an den Seiten überwendlich zusammengenäht, während ein Drittel als Klappe übersteht, die mit Holzperlen zugeknöpft wird. Für die Nährolle (Abb. 1) überspannt man zwei runde Pappscheiben mit Wollfäden, und näht sie dann an beiden Seiten des gewebten Stückes von links an. Als Verschluss dient eine geflochtene Schnur. Bei der kleinen Umhängetasche (Abb. 5) ist ein Streifenmuster mit bunten Wollfäden durch eine dünne Baumwollkette geflochten.

Abb. 5. Umhängetäschchen

Die Kinderbadeschuhe (Abb. 6) sind aus Bast gewebt. Die Sohlen sind aus festgeflochtenen Bastzöpfen nach einem beliebigen Sohlenmuster zusammengenäht.

Abb. 6. Kinderpantoffeln

Man beginnt damit in der Mitte, indem man den Anfang doppelt legt und mit einem festen Bastfaden durchnäht. So näht man den Bastzopf Runde für Runde zu einer länglichen Schnecke zusammen. Das Ende ist mit bunten Bastfäden überstochen. Die Decken sind aus einem viereckigen Webstück gemacht, das an drei Ecken an die Sohle angenäht ist, während die vierte freisteht.

Diese wenigen Gegenstände sollen zunächst als Anregung für viele andere Verwendungsmöglichkeiten des Flechtwebens dienen.

Diese Anleitung stammt aus einem alten Handarbeitsbuch und ist ca. 70 Jahre alt.

2019-10-28 12:16:54