3. Oktober 2022
Wintersportbekleidung nähen

Kann man selbst Wintersportbekleidung nähen?

Wer nähen kann, kann sich vieler seiner Kleidungsstücke ganz individuell selber herstellen. Das Tolle daran ist, dass man die Kleidung seinem ganz eigenen Geschmack und seinem Körper genaustens anpassen kann. Man kann sich unabhängig von der gerade herrschenden Mode und den Trends einkleiden. Aber nicht jedes Kleidungsstück ist gleich schwer zu nähen. Gerade wenn es um Funktionskleidung geht, gibt es einiges zu beachten. Auch wenn du deine eigene Wintersportbekleidung nähen willst, warten ein paar Hürden auf dich.

Nähen für den Winter

Es gibt einiges an Kleidungsstücken, die man sich für den Winter selber nähen, häkeln oder stricken kann. Die Klassiker sind dabei natürlich Mütze, Schal, Handschuhe und Socken. Aber auch Pullover, Cardigans, Strickjacken, Leggings, warme Unterwäsche oder Fleece-Jacken kann man sich selber nähen. Wer schon gut nähen kann, kann sich natürlich auch an Wintermäntel und Jacken heran wagen. Wenn man allerdings für den Wintersport Kleidung nähen will, steht man vor einer größeren Herausforderung. Nicht nur spezielle Kleidungsstücke wie heizbare Handschuhe sind für den Laien nicht selbst herzustellen. Schon eine einfache Ski-Jacke ist ein kompliziertes Nähprojekt.

Was ist das Besondere an Wintersportkleidung?

Es gibt viele synthetischen Stoffarten, die in den letzten Jahrzehnten entwickelt worden sind. Gerade für Funktionskleidung sind diese neuen Stoffarten ein Segen. Sie ermöglichen Eigenschaften wie atmungsaktiv, wasserfest, UV-Schutz und vieles mehr. Diese neuen Stoffe müssen aber auch auf unterschiedliche Arten gepflegt und verarbeitet werden. Dazu gehören auch die Materialien, die für die Wintersportbekleidung verwendet werden. Sie ermöglichen es, dass beispielsweise eine Ski-Jacke sowohl atmungsaktiv als auch wasserfest und windgeschützt ist. Anders als ein normaler Wintermantel muss eine Wintersportjacke nicht nur warm halten und vor dem Schnee schützen, sondern auch den Schweiß gut ableiten können. Auch die Temperaturregulierung ist in dem Fall sehr wichtig.

Auch beim Kleiderschnitt gibt es Besonderheiten, die bei Wintersportbekleidung vorhanden sein sollten bzw. bedacht werden müssen. Dazu gehören zum Beispiel die Taschen. Für eine Skijacke bedarf es beispielsweise Taschen für die Liftkarte oder die Skibrille. Wenn man dagegen beim Wandern einen Rucksack mit Hüftgurt trägt, sollten die Taschen eher auf Brusthöhe platziert sein. Der Hals sollte immer windgeschützt sein, dafür braucht man einen Kragen, den man schließen kann. Die Kapuze sollte je nach Sportart groß genug sein, um sie über einen Helm aufziehen zu können. Je nach Sportart gibt es weitere Besonderheiten und Notwendigkeiten. Da es nur wenig Kleiderschnitte für Wintersportbekleidung gibt, muss man die meisten Kleiderschnitte erst einmal anpassen.

Wintersportbekleidung nähen: Der richtige Stoff

Wie bereits erwähnt, braucht man für Wintersportbekleidung bestimmte Stoffe. Diese findet man bei den Outdoorstoffen. Es gibt verschiedene Firmen, die sich auf funktionale Stoffe spezialisiert haben. Bei den meisten Stoffhändlern werden bei den Outdoorstoffen Softshell-Stoffe verkauft. Diese sind nur bedingt geeignet um Wintersportbekleidung zu nähen. Für normales regnerisches Wetter und normale Outdoor-Aktivitäten sind sie gut geeignet. Softshell ist zwar sehr atmungsaktiv, aber nicht ganz so wasserdicht und winddicht wie Hardshell-Stoffe. Diese haben eine Membran, die große Wassertropfen von außen nicht durchlassen, aber die kleinen Wassertropfen des Schweißes passieren lassen. Um die Membran zu schützen, braucht man zwingend einen Oberstoff und einen Futterstoff. Daher sind die Hardshell-Stoffe meist 3-Lagig.

Wenn die Hardshell-Stoffe nur 2-Lagig sind, brauchen sie noch einen Futterstoff dazu. Dieser ist außerdem wichtig, um für die nötige Wärme zu sorgen. Bei dem Futterstoff sowie allen weiteren Lagen, aus denen die Wintersportbekleidung besteht, ist es wichtig, dass keine feuchtigkeitsspeichernden Materialien verwendet werden. Sonst kann die Membran den Schweiß nicht genügend abtransportieren und er bleibt am Körper. Daher ist Baumwolle ungeeignet für den Wintersport. Für den Futterstoff und auch für Unterbekleidung kann man Fleece verwenden. Es trocknet schnell, ist flexibel, hypoallergen und wärme-isolierend.

Wintersportbekleidung nähen: Hardshell-Stoffe verarbeiten

Damit der Hardshell-Stoff seine Funktion richtig erfüllen kann, muss man beim Nähen einiges beachten. Man sollte beispielsweise keine Stecknadeln benutzen, um die Schnittteile aneinander zu stecken. Hierfür eignen sich besser Stoffklammern. Mit den Stecknadeln macht man unnötigerweise kleine Löcher in den Stoff. Durch diese Löcher können Wind, Wasser und Kälter besser durch den Stoff hindurchkommen. Daher sollte man auch mit einer spitzen und dünnen Nadel nähen, damit die Löcher so klein wie möglich bleiben.

Gerade als Nähanfänger muss man noch die ein oder andere Naht wieder auftrennen, weil man sich vernäht hat. Die aufgetrennten Nähte sehen genauso wie bei Kunstleder und Wachstuch nicht besonders schön aus. Die Löcher bleiben leider sichtbar. Bei den Funktionsstoffen kommt noch hinzu, dass dadurch ihre Funktion vermindert wird. Daher sollte man sich erst an Hardshell- und Softshell-Stoffe wagen, wenn man sich seiner Sache sicherer ist. Es kann auch helfen, erst einmal eine Probekleidungsstück anzufertigen.

Generell sind alle Nähte anfälliger für Wind, Wasser und Kälte. Daher sollte man sie mit einem Nahtabdichtband abdichten. In der Industrie gibt es noch effektivere Möglichkeiten, die Nähte abzudichten. Diese Maschinen gibt es aber für den normalen Haushalt eher nicht zu kaufen. Damit die Nähte trotzdem möglichst dicht bleiben, kann man sie auch geschickt platzieren. Dazu gehört zum Beispiel, dass man keine Schulternaht nähen sollte. Hier prasselt der Regen nämlich am wahrscheinlichsten hin. Für die Reißverschlüsse solltest du in deinem Schnitt einen Windschutz einplanen.

Wintersportbekleidung nähen: Fazit

Für Nähanfänger ist das Nähen von Wintersportkleidung nicht zu empfehlen. Damit die Kleidung ihre Funktion am besten erfüllen kann, muss man die Kleiderschnitte meistens anpassen. Dabei sollte man den Wintersport auch schon häufiger gemacht haben, damit man weiß, auf welche Anpassungen es ankommt. Es kann einem dabei aber auch helfen, wenn man sich ein paar fertige Wintersportkleidungsstücke anschaut. Hier kann man Inspirationen und Ideen für die eigene Kleidung sammeln. Bei besonderer Winterkleidung, wie zum Beispiel beheizter Kleidung, wird man sich nicht so viel Inspiration für die selbst genähte Jacke holen können. Aber bei der Platzierung und der Anzahl von Taschen, dem Kragen, den Verschlüssen oder den Schneefängen kann man sich hier ruhig ein paar Dinge abschauen. Und die beheizte Kleidung kann man sich am Ende für die neu genähte Skijacke ja dazu kaufen.

Darüber hinaus sollte man mit dem Nähen von schwierigen Stoffen vertraut sein. Es kann nicht schaden, den gewählten oder zusammengestellten Schnitt einmal als Probe zu nähen. In jedem Fall sollte man aber schon einmal eine einfache Jacke bzw. Hose genäht haben. Denn als Anfängerprojekt eignet sich Wintersportkleidung leider wirklich nicht. Außerdem sollte man genug Zeit einplanen. Am besten fängt man jetzt im Frühling schon an, für die nächste Ski-Saison die Wintersportkleidung zu nähen.

selber Wintersportbekleidung nähen

2022-03-26 00:03:26