7. Dezember 2022
Krakelieren - aber richtig

Krakelieren – aber richtig

Krakelieren ist nicht gleich Krakelieren – es gibt unterschiedliche Krakeliermedien, die auch vollkommen unterschiedlich verarbeitet werden – dafür aber auch ganz unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Die Krakelierlacke wurden alle zusammen mit Acrylfarbe verarbeitet.

Krakelieren auf die herkömmliche Art

Diese Art dürfte den meisten von euch am geläufigsten sein und ist daher auch die populärste Art des Krakelierens. Der Krakelierlack, der hierfür benötigt wird, ist relativ kostengünstig und es gibt in der Regel auch keine Probleme damit, den Lack in einem Bastelgeschäft oder einem Online-Shop zu finden. Diese Art der Hintergrundgestaltung besteht aus einer zuletzt aufgetragenen Farbe mit einer feinen Rissbildung, die den Blick auf die Hintergrundfarbe freigibt.

Krakelieren

Zum Krakelieren benötigst du zwei Farben – die Grundfarbe und die Hauptfarbe. Du kannst aber auch den Originalhintergrund als Grundfarbe stehen lassen.

Auf die Grundfarbe wird nach dem Trocknen das Krakeliermedium aufgetragen. Dieser muss sehr gut trocknen, bevor du weiterarbeiten kannst. Dann wird die Hauptfarbe aufgetragen, die sich deutlich von der Grundfarbe unterscheiden sollte.

Dieser Farbauftrag muss zügig vorgenommen werden. Dabei darfst du nicht ein zweites Mal übermalen. Am besten setzt du Strich an Strich. Während die Farbe trocknet, reißt sie ein und die darunterliegende Grundfarbe wird sichtbar. (Wenn du während dieses Prozesses noch einmal Farbe aufträgst, werden die Risse wieder abgedeckt.)

Krakelierter Pferdekopf aus Pappmaschee

Dieser Pferdekopf aus Pappmaschee wurde auf diese Art und Weise krakeliert. Wie das funktioniert zeigt die Bastelanleitung „Krakelierter Pferdekopf“.

Wird die Hauptfarbe dünn aufgetragen, werden die Risse sehr fein. Je dicker die Farbe, um so breiter die Risse. Dies variiert aber von Lack zu Lack – je nachdem, wer der Hersteller ist. Deshalb solltest du dir grundsätzlich die Anleitung, die auf der Flasche stehen sollte, durchlesen.

Achtung! Wenn die Farbe oder der Krakelierlack zu dick aufgetragen wird, können sich an senkrechten Flächen sogenannte „Nasen“ bilden.

Den Trockenvorgang bitte nicht mit dem Fön beschleunigen.

Es gibt einen tollen Effekt, wenn du mit einer dunklen Acrylfarbe oder Gold und Silber grundierst. Dann trocknen lassen. Verwende nie für die oberste Schicht Metallicfarben (sie reißen, also krakelieren nicht – es sei denn, es handelt sich um spezielle Krakelierfarben).

Zu dieser „Krakelierlackfamilie“ gehören zum Beispiel die Krakelierlacke der Firmen Efco, Plaid und Kinsy.

Krakelieren mit Eierschalenmosaik-Effekt

Du benötigst dafür Acrylfarbe, Mosaikmedium und eine Patina.

Zuerst trägst du die Farbe auf und lässt sie gut trocknen. Anschließend gibst du eine fließende Schicht des Mosaikmediums auf und lässt auch diese Trocknen. Während des Trockenvorganges reißt nun das Mosaikmedium und es entsteht ein ganz feines Krakelé, das kaum sichtbar ist.

Anschließend reibst du vorsichtig Patina in die so entstandenen Risse.

Zu dieser „Krakelierfamilie“ gehören zum Beispiel das Krakeliermedien der Fa. Aleene’s.

Auf diese Art und Weise lässt sich auch Stoff krakelieren.

Mosaic-Crackle

Auf den ersten Blick sieht diese Art des Krakelierens zwar ähnlich aus wie der Eierschalen-Mosaikeffekt. Hier wird allerdings anders gearbeitet und das entstehende Mosaik ist etwas gröber.

Soweit ich dies bisher ausprobiert habe, klappt es nur dann, wenn Krakelierlack und Farbe zusammengehören –  also von den Bestandteilen her aufeinander abgestimmt sind.

Du benötigst dafür Acrylfarbe, Krakelierlack und einen Activator

Die 1. Farbe wird etwa zu gleichen Teilen mit dem Krakelierlack gemischt und gleichmäßig auf den Untergrund aufgetragen. Danach trocknen lassen -“ in der Regel mindestens 45 Minuten bei Zimmertemperatur. Anschließend wird die 2. Farbe (pur) aufgetragen. Wieder trocknen lassen.

Bisher ist noch nichts passiert – nichts ist krakeliert. Dies geschieht erst, nachdem du nun den Activator aufträgst, der ebenfalls wieder mindestens 45 Minuten zum Trocknen braucht. Erst am Ende der Trockenzeit entsteht das Krakelé.

Es muss sich wirklich um Kontrastfarben handeln – schwarz auf weiß oder umgekehrt siehst du bestimmt sehr gut. Anders ist es aber mit lachs auf apricot. Hier gibt es kaum einen Farbunterschied.

Mit diesem Krakelierlack kannst du auch Metallicfarben krakelieren!

Beim Trockenvorgang der 2. Farbe NICHT mit dem Haartrockner nachhelfen!

Wenn du ein sehr grobes Krakelé möchtest, gehst du folgendermaßen vor:

Du mischst die erste Farbe nicht mit dem Krakeliermedium sondern trägst sie pur auf. Trocknen lassen. Dann eine Schicht Krakeliermedium, die ebenfalls wieder gut trocknen muss. Anschließend kommt die 2. Farbschicht –  trocknen lassen – und zum Schluss der Activator. Je dicker die Schicht Krakelierlack ist, um so gröber wird das Krakelé.

Zu dieser „Krakelierlackfamilie“ gehört das Mosaiccrackle-Medium von Aleene’s.

Krakelieren auf rohem Holz mit dem Krakeliermedium der Fa. Creartec

Richtig „echt“ und „alt“ wirkt diese Art des Krakelierens. Hier trägst du auf den gewählten Gegenstand – zum Beispiel einen Holzbottich – eine Schicht Krakeliermedium auf und lässt sie trocknen.

Während des Trockenvorganges entstehen die Risse, die nach dem endgültigen Trocknen mit einer Patina bestrichen werden. Die Patina wird anschließend direkt mit einem Tuch wieder entfernt (das hängt allerdings von der verwendeten Patina ab – also unbedingt die Gebrauchsanleitung beachten). Beim Entfernen der Patina geht man nicht „ganz so gründlich“ vor, denn Reste der Patina sollen in den Vertiefungen bleiben. 🙂

Krakelieren auf Flaschen

Auf Flaschen kann man auf zweierlei Art krakelieren. Die erste Möglichkeit, ist das ganz normale Krakelieren. Das heißt, es wird zuerst eine Farbe aufgetragen, dann der Krakelierlack und dann die Kontrastfarbe. Natürlich müssen auch hier die einzelnen Schichten trocknen, bevor die nächste Farbe bzw. der Krakelierlack aufgetragen wird.

Christiane hat ausprobiert, ob man den Krakelierlack auch direkt auf die Flasche auftragen kann. Man kann. Und ich finde, dass es dadurch ganz neue Effekte gibt – gerade auch in Verbindung mit Lichterketten.

Krakelierte Flasche

Christiane schreibt: „Es geht wirklich gut, wenn man den Lack direkt auf die Flasche aufträgt. So kann das Licht durch die Risse scheinen. In Natur sieht es noch schöner aus, als auf dem Bild. Verwendet habe ich Crackle Medium – Artiste (günstiger Zufallskauf bei ebay) und die Kreidefarbe von Lignocolor und zum Schluss alles mit Klarlack überstrichen. So sind auch die Servietten haltbarer.

Krakelierter Weinballon
Ein alter Weinballon eignet sich auch gut als Dekoartikel.

Der Klarlack war noch Altbestand. Ich hatte auch ein paar Gläser mit günstigere Kreidefarbe gestrichen, dies ist leider nichts geworden. Die Farbe war irgendwie zu dick und schwer.

Im Bad
Auch Wurst- und Marmeladengläser lassen sich mit Krakelierlack und Kreidefarbe wunderbar bemalen.

Fast hätte ich es vergessen: Der Lack darf nicht gestrichen werden, sondern getupft und ruhig auch etwas dicker. Ansonsten sind die Risse nicht so schön.“

Krakelieren mit Holzleim

Wenn du Holzleim zu Hause hast, musst du dir nicht unbedingt Krakelierlack kaufen, denn du kannst auch Holzleim bzw. anderen PVA-Leim verwenden. Allerdings ist die Verarbeitung hier wieder anders.

Du benötigst auch hier zwei Kontrastfarben. Du trägst zuerst die erste Farbschicht auf und lässt sie trocknen. Dann kommt der Holzleim darüber und auf den nassen (!) Leim wird die Kontrastfarbe aufgetragen. Während der Leim und die Farbe trocknet entsteht das Krakelée.

Ich habe bei YouTube ein Video von Gerda Lipski gefunden, in dem genau gezeigt wird, wie das gemacht wird und welche unterschiedlichen Effekte dabei erreicht werden können.

Krakelieren mit Krakelierpaste

Krakelieren mit Krakelierpaste

Mittlerweile gibt es Krakelierpaste von vielen verschiedenen Firmen. Ich habe hier die Paste von der Fa. Creartec verwendet. Krakelierpaste bietet noch einmal andere Effekte als die Krakelierlacke und wird auch anders und sehr einfach verarbeitet. Die Krakelierpaste wird einfach mit den Fingern oder einem Malmesser dick auf den zu verzierenden Gegenstand aufgetragen. Dann lässt man sie einfach trocknen, wobei die Risse entstehen.

Da ich die Krakelur nicht in weiß haben wollte, habe ich sie einfach mit alter Seidenmalfarbe übermalt. Ich denke, das funktioniert auch mit anderen dünnflüssigen Farben. Bei Gelegenheit werde ich das aber noch einmal ausprobieren.

Styroporkopf mit Krakelierpaste

So sieht der Kopf noch sehr nach einem Alien aus.

Styroporkopf mit Krakelierpaste, eingefärbt mit Seidenmalfarbe

Mit Strohhut wird „die schöne Gärtnerin“ daraus.

Krakelierpaste selber machen

Aus Marmormehl und Acrylbinder kann man sich Krakelierpaste auch selbst herstellen. Die beiden Komponenten werden einfach zusammengerührt und anschließend zum Beispiel auf eine Leinwand aufgetragen. Wie das genau geht und auch wie das Mischungsverhältnis sein muss, siehst du im Video von der Bilderwerkstatt.

In einem weiteren Video – ebenfalls von der Bilder-Werkstatt – wird gezeigt, wie man dann mit Hilfe von Kasein noch feinere Strukturen erreichen kann.

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Krakelieren - aber richtig

2022-03-24 08:24:00

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