8. Dezember 2022
Öko-Scoubidous

Scoubidous und Öko-Scoubidous

Gestern bekam ich eine Bastelanleitung von der Firma Efco zugeschickt, in der es um das Basteln von Scoubidous ging – in einer umweltfreundlichen, ungiftigen Variante. „Toll“ dachte ich – da schreibst du einen Artikel drüber, verlinkst du Bastelanleitungen und guckst mal im Internet, wo man die Öko-Scoubidous kaufen kann… und was fand ich statt dessen?

Gesagt, getan… Zuerst einmal habe ich im Artikel nachgesehen, ob da irgendetwas darüber steht, aus welchem Material die Scoubidous sind – diese Info gab es nicht, sondern nur den Hinweis, dass die Soubidous frei von belastenden Stoffen wären. Anschließend habe ich im Neuheitenkatalog von Efco gestöbert – auch da habe ich leider keinerlei Hinweise gefunden. Schade…

Aber welchen Hintergrund haben Öko-Scoubidous überhaupt? Im Jahre 2004 gab es eine „Scoubidou-Bastelwelle“, die jäh durch einen Test der Zeitschrift Öko-Test unterbrochen wurde, der besagte, dass die Soubidous giftig wären. Allerdings  wurden damals nur zwei Sorten der Bänder getestet. Von einem repräsentativen Ergebnis konnte man also nicht gerade sprechen.

Danach wurde es ein bisschen ruhiger um die Scoubidous. Und das, obwohl der Test  von Öko-Test nicht gerade hilfreich war – außer vielleicht, dass er die Eltern darauf hinwies, dass die Kinder die Scoubidous nicht mit den Zähnen festziehen sollten. Ansonsten denke ich, dass der Test und die nachfolgenden Reaktionen mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet haben.

Eine Reaktion, mit der man dann aber doch etwas anfangen konnte, gab es allerdings vom Bundesinstitut für Risikobewertung (Bfr). Danach waren die Scoubidous zwar nicht schadstofffrei, aber: „Nach dieser Abschätzung der Exposition ist unter der Annahme von Worst-case-Bedingungen keine gesundheitliche Gefährdung von Kindern durch die nachgewiesenen Gehalte der verschiedenen Stoffgruppen zu erwarten.“ Hier geht es zur vollständigen Risikobewertung.

Und nun gibt es also „Öko-Scoubidous“ und was finde ich bei meiner Suche im Internet? Einen Hinweis auf einen Test von Öko-Test, der sagt: Öko-Scoubidous sind „mangelhaft“. Erschienen ist der Artikel im ÖKO-TEST-Magazin Mai 2012.

Eigentlich wollte ich nun noch etwas schreiben, ohne den genauen Test zu kennen – aber irgendwie dachte ich, dass dieser Artikel nur noch halb so glaubwürdig sein würde, wenn ich dies machen würde. Also habe ich mir das Heft gekauft. Nach langem Suchen fand ich dann auch den Artikel über die Öko-Scoubidous. Es ist genau der Artikel, der auch oben schon verlinkt ist – nicht mehr und nicht weniger. Keinerlei Angaben darüber, welches Produkt getestet wurde, wie getestet wurde, wie die gemessenen Werte aussahen usw. Nett – wirklich nett…:-( Was fängt man mit so einer Information an? Panik? Den Kindern schon wieder die Scoubidous verbieten? Oder einfach die Öko-Test nicht mehr kaufen? Ganz ehrlich – ich komme mir ziemlich auf den Arm genommen vor!

Was würde ich also machen, wenn meine Kinder noch klein oder mein Enkel etwas größer wäre? Eigentlich gäbe es für mich nur die folgenden Möglichkeiten: Zuerst einmal würde ich darauf achten, dass die Knoten nicht mit den Zähnen zugezogen werden. Den Grund dafür würde ich meinen Kindern ganz genau erklären. Alternativ würde ich zu Wolle und anderen Bändern greifen (wobei ich mir allerdings im Klaren wäre, dass andere Bänder genauso oder noch mehr belastet sein können). Ich denke aber, dass ich mich einfach auf das Urteil des BfR verlassen würde und  weiterhin ganz normale Scoubidous kaufen würde. Es sei denn, ich hätte gerne ein reines „Öko-Gewissen“ – aber auch dann wüsste ich nicht, wem ich mit dem Kauf der Öko-Scoubidous einen größeren Gefallen tun würde – der Umwelt oder dem Hersteller, denn es gibt ja anscheinend keinerlei Informationen darüber, warum die Öko-Scoubidous „öko“ sind.

Und jetzt – ganz zum Schluss noch – den Link zum „Auslöser“: Die Bastelanleitung für den Öko Scoubidou Schmuck von Efco.

Scoubidous allgemein – Artikel vom 30.10.2008

Vor einigen Jahren gerieten die Scoubidous in Verruf, da sie mit problematischen Weichmachern hergestellt wurden. Was letzten Endes genau dabei herausgekommen ist, weiß ich gar nicht. Trotzdem möchte ich die Artikel, die es damals dazu gab, nicht einfach „unter den Tisch kehren“.

Scoubidous bei Ökotest

.. mit katastrophalem Ergebnis. Nicht nur, dass Substanzen gefunden wurden, die beim Verschlucken gefährlich sein können, auch die Stoffe die ausgedünstet werden und für den „lieblichen Duft“ der Scoubidous sorgen, sind alles andere als gesundheitsfördernd.
Das Testergebnis gibt es bei Ökotest. Und jetzt wieder mein berühmtes „aaaaber“: Es wurden nur zwei Marken getestet.
Übrigens habe ich vor einigen Tagen einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem es um PVC-Schläuche auf Intensivstationen für Frühgeborene geht. Durch den ständigen Kontakt mit Flüssigkeit werden dort die giftigen Stoffe ausgewaschen und gelangen so in den Blutkreislauf bzw. den Magen der Frühchen. Extra darauf hingewiesen wurde, dass diese Stoffe zwar mittlerweile in Spielzeug für Kleinkinder verboten sind, im medizinischen Bereich allerdings nicht.
Die Welt ist schon merkwürdig.
Und jetzt noch etwas zu meiner persönlichen Erfahrung mit Scoubidous: Meine jüngste Tochter konnte letzte Woche die Schule nicht besuchen – wegen Kopfschmerzen und Übelkeit. Auch gestern abend klagte sie wieder darüber. Mal sehen, vielleicht hat sich dieses Problem ja jetzt erledigt! (Nachtrag: Es hatte sich erledigt, ohne Scoubidoubänder keine Kopfschmerzen mehr. Allerdings können die natürlich auch an Muskelverspannungen gelegen haben, denn ich denke, Scoubidoubänder flechten gehört nicht unbedingt zu den normalen täglichen Tätigkeiten).

Aus dem Jahre 2004!

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EU verbietet Weichmacher in Spielzeug

Kinder in der Europäischen Union werden künftig besser vor gesundheitsgefährdenden Weichmachern im Spielzeug geschützt. Das Europäische Parlament verabschiedete in Straßburg nach acht Jahren Diskussion eine Richtlinie, die die Verwendung so genannter Phthalate verbietet.

Mehr dazu bei der Tagesschau … (dieser Link funktioniert leider nicht mehr)

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Problematische Weichmacher in Scoubidous

Jetzt werden auch die Politiker wach und fordern eine Gesetzesänderung, die die Weichmacher in den Scoubidous verbietet, denn neuste Untersuchungen haben Weichmacheranteile von bis zu 34,7 % ergeben.
Dazu Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn: „Ich fordere die Hersteller auf, die so genannten „Scoubidou-Bänder“ im Interesse unserer Kinder ohne problematische Weichmacher zu produzieren. Auch die Händler sollten Bänder, die solche Weichmacher enthalten, nicht anbieten. Denn Kinder sollten beim Spielen mit diesen Bändern Spaß haben, aber es dürfen darin keine gefährlichen Stoffe enthalten sein. Deshalb appelliere ich auch an die EU, den Vorschlag zur drastischen Herabsetzung der Grenzwerte von Weichmachern schnell umzusetzen. Solange dies jedoch nicht der Fall ist, kann ich Eltern nur empfehlen, auf Alternativen, die im Handel sind, wie bunter Bast, Wolle oder Perlonschnüre zurückzugreifen.“
Den vollständigen Artikel findet ihr beim Umweltjournal.

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Öko-Scoubidou

2012-08-31 10:52:05

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