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Heliographie wird auch Sonnentechnik oder Sonnenlichttechnik genannt. Entdeckt wurde sie durch Zufall auf den pazifischen Inseln, als man gefärbte, nasse Pareos zum Trocknen auf dem Sand ausbreitete und Blätter darauf fielen. Als die Pareos getrocknet waren, zeichneten sich die Blätter hell vom Untergrund ab.

 

Man benötigt für diese Technik nicht deckende, also transparente Stoffmalfarben. Besonders geeignet und ausgereift sind hier die Setacolorfarben von der Firma Pebeo. Die Farben werden mit 2/3 Wasser verdünnt und auf den gewaschenen Stoff aufgetragen. Dann wird eine Schablone, ein Blatt oder ähnliches aufgelegt. Anschließend wird der Stoff in der Sonne (am besten mittags, wenn die Sonne am höchsten steht) liegend getrocknet. Die Sonne erwärmt den Stoff unter den Schablonen weniger stark als die nicht bedeckten Stellen. Die Farbe „flüchtet“ dann zur Wärme hin. Die bedeckten Stellen werden dadurch wesentlich heller, je nach Stoffart sogar fast weiß.
Als alternative Wärmequellen eignen sich Rotlicht-, Bräunungs- oder Wärmestrahler.

 

Man muss keine speziellen Schablonen für die Sonnenlichttechnik kaufen, sondern kann mit allen möglichen verschiedenen Dingen, die man  teilweise vielleicht sogar im Haus hast, experimentieren. Dazu gehören zum Beispiel grobmaschige Vorhangsstoffe, Maschendraht, Federn, Spitzenborten, Schnur oder auch Werkzeuge wie Zangen, Scheren oder Schlüssel.
Schablonen können auch selbst aus Kunststofffolie oder Papier zugeschnitten werden. Genauso gut kann man Moosgummi dafür verwenden.
Auch draußen in der Natur gibt es einiges, was man verwenden kann - dazu gehören zum Beispiel frische Blätter. Stark gefiederte Blätter kommen dabei ganz besonders gut zur Geltung. Getrocknete Blätter eignen sich allerdings nicht, da sie sich bei Hitze hoch biegen und sich dadurch nur unklare Umrisse ergeben.
Gegenstände, die sehr leicht sind, wie zum Beispiel Federn, Spitzenborten, Schnur oder Gitterstoffe müssen nach dem Auflegen auf den feuchten Stoff sehr fest auf den Untergrund gepresst werden. Dafür eignet sich ein breiter Pinsel sehr gut.

 

Je nachdem, wie man die verschiedenen Objekte miteinander kombiniert, entstehen verschiedene Muster. Für ein Gittermuster kannst du z.B. Maschendraht oder grobmaschige Vorhangsstoffe verwenden. Dabei kannst du entweder den Maschendraht oder den Vorhangsstoff alleine verwenden, oder du legst erst andere Schablonen auf und den Stoff darüber. Das ergibt dann wieder ganz andere Effekte.

 

Die verwendeten Stoffe müssen weiß oder zumindest sehr hell sein und dürfen kein Webmuster aufweisen. Geeignet sind vor allen Dingen pflanzliche Fasern wie Baumwolle und tierische Fasern wie Seide. Der Synthetikanteil darf maximal 20 % betragen.

 

Viele Bastelmaterialien, die man vielleicht noch von anderen Techniken übrig hat, lassen sich bei Sonnenlichttechnik ebenfalls einsetzen: Effektsalz, wie es in der Seidenmalerei Verwendung findet, ergibt helle Farbbahnen mit lebhafter Struktur. Mit Gutta und Stoffmalstiften können Konturen betont werden. Glitzerfarben eignen sich hervorragend zum Ausgestalten der aufgehellten Flächen. Plusterfarben ergeben dreidimensionale Effekte. Mit dem Perlenpen kann man Halbperlen auf den Stoff setzen.

 

Auch fertig genähte Baumwoll- oder Seidenartikel eigen sich sehr gut. Du solltest bei doppelten Stofflagen (zum Beispiel bei Sofakissen) allerdings in zwei Arbeitsschritten arbeiten – einmal von der Vorder- und einmal von der Rückseite. Dabei muss unbedingt eine dicke Pappe oder Folie zwischen die beiden Stofflagen gelegt werden.