Der Bastler am Geduldsspiel

Junge und alte Leute beschäftigen sich gern einmal mit einem Zusammensetzspiel. Dabei ist keine große geistige Anstrengungen nötig; aber die Beschäftigung damit erfordert doch einige Aufmerksamkeit und lenkt den Geist ab. Das ist rechte Erholung; nicht ödes Nichtstun, sondern eine bestimmte Tätigkeit, die Abwechslung bietet. Wie freut man sich, wenn aus dem wirren Häuflein der kleinen Stücke eines nach dem anderen seinen rechten Platz gefunden hat, wenn sich das Bild, das entstehen soll, mehr und mehr entfaltet!
Früher übte man sich mehr in Geduldspielen. Man sollte sie heute wohl etwas besser pflegen in unserer schnelllebigen Zeit, wo es so not tut, sich in der Tugend der Geduld zu vervollkommnen. Das Legen von Zusammensetztspielen ist eine treffliche Beschäftigung für lange Winterabende oder für verregnete Stunden, wenn man nicht ins Freie hinaus kann. Und der strebsame Bastler kauft sich sein Geduldsspiel nicht fertig in einem Geschäft. Besitzt er nicht die Laubsäge, ein Töpfchen mit Leim und einen Stift zum Zeichnen? Seine Aufgabe ist nicht allzu schwierig zu lösen. Aber es wird doch Nachdenken und eine gewisse Anstrengung verlangt, so dass es der Herstellung eines Geduldsspiels durchaus nicht an Reiz fehlen wird.

 

Das Bild, das zerlegt und wieder zusammengesetzt werden soll, wählt man zweckmäßig mit einem weißen Rand, der es wie ein Rahmen umschließt. Das Bild selbst soll nicht zu klein bemessen sein. Natürlich darf man hier kein bestimmtes Maß angeben. Wir schlagen vor, die Tafel etwa im Ausmaße von 10 x 15 cm herzustellen. Ein Rechteck nach solchem Verhältnis zeigt eine wohlgefällig Form. Bei dieser Größenbestimmung sei der weiße Rand mit eingerechnet. Bilder sind in einer Papierhandlung oder in einem ähnlichen Geschäft erhältlich. Beim Kaufe wird man aber nicht das erste Bild nehmen, sondern jedenfalls eines, das wohltuend auf das Auge wirkt.
Das ist jedoch nicht der einzige Gesichtspunkt, der die Wahl der Bilder bestimmt. Ein Spiel kann leicht oder schwerer zusammenzusetzen sein. Dabei macht die Art des Bildes fiel aus, wenn sie auch nicht allein entscheidend ist. Soll das Zusammenfügen leicht sein, so muss man große, deutliche Figuren wählen, die sich durch lebhafte Farben unterscheiden. So wäre zum Beispiel das Bild eines großen, recht bunten Schmetterlings zu empfehlen, wenn das Zusammensetzen verhältnismäßig wenig mühsam sein soll.

In unserer Jugendzeit legten wir oft ein Spiel: “das Rhinozeros”. Die Gestalt des plumpen Tieres war freilich recht groß. Aber die einzelnen Stücke waren allzu sehr “grau in grau” gehalten. Sie unterschieden sich in ihrem Aussehen wenig, und es war daher das Zusammensetzen mühsam. Am “schwersten” aber war die “Schlacht”. Das Bild zeigte einen Kampf, wie man ihn früher malte. Da waren die Kämpfenden  noch zu sehen, denn sie hatten sich nicht in die Erde eingegraben. Aber es war sehr schwierig, die vielen kleinen Figuren gehörig zusammenzubringen, und dort, wo weißer Pulverdampf alles verhüllte, und so viele helle Stellen erschienen, dauerte es recht lange, bis sich Stück zu Stück gefunden hatte. So regt schon die Wahl der Bilder eine Fülle von Erwägungen an, und es bedarf eines gewissen Geschickes, solche zu finden, die ihrem Zweck entsprechen.
Das Bild muss nun auf ein Brettchen aus Laubsägeholz aufgeklebt werden. Man kauft ein solches – etwa aus Ahorn – das reichlich die nötigen Ausdehnung besitzt, klebt das Bild auf und sägt dann die Gestalt des Rechteck aus. Man könnte auch erst das Brettchen zurecht machen, und darauf das Papier aufkleben. Leichter ist es jedoch, sich mit dem Ausschneiden nach dem festgelegten Bilde zu richten, als das Bild auf das fertige Rechteck aufzupassen.

Wir empfehlen, beim Aufkleben Gummiarabikum zu benutzen, der selbst gegenwärtig immer noch in guter Beschaffenheit erhältlich ist. Nur muss der Bastler darauf achten, dass der Klebstoff möglichst dünn und gleichmäßig aufgetragen wird. Er trocknet dann schnell. Ferner muss dafür gesorgt werden, dass das Papier allenthalben sicher festgeklebt wird. Sind “Blasen” vorhanden, und führt dann der Schnitt der Säge durch sie, so blättert an solchen Stellen das Papier gern weiter, was natürlich unangenehm ist.

Holz zeigt aber die unangenehme Laune, sich leicht zu werfen und zu ziehen, wenn es auf der einen Seite nass gemacht wird. Und Letzteres geschieht ja, wenn das Bild mit Gummi aufgeklebt wird da kann man sich denn auf einer einfachen Weise helfen. Für das Gift wird gewissermaßen ein Gegengift gereicht. Man beklebt nämlich die Rückseite des Brettchen ebenfalls. Dazu wird man nicht einen Bogen weißen Papieres, weil dieser rasch schmutzig und unansehnlich wird. Besser verwendet man farbiges Papier oder solches, das irgendein Muster zeigt, auf denen sich nicht jede Schmutzfleckchen sofort erkennen lässt. Noch besser ist es, ein zweites Bild aufzukleben, so dass man später einmal die Vorder-, dann die Rückseite zusammensetzen kann.
Die Führung der Schnittlinien bereitet einige Schwierigkeiten. Als Grundsatz gilt hier: die Stücke müssen so ineinandergreifen, dass sie sich gegenseitig festhalten, indem sie ihm mit Haken versehen sind. Eine richtig geschnittenes Spiel kann man an einem Ende hochheben, wenn es zusammengelegt ist, es wird kein Stück abfallen! Unsere Abbildung veranschaulicht, wie geschnitten werden muss.
Es empfiehlt sich kaum, etwa mit Blei die Linien für das Zersägen gleich auf das Bild zu zeichnen. Dazu gehört mehr Sicherheit, als der Bastler wohl besitzt, zumal wenn er Neuling in dieser Kunst ist. Wir möchten daher empfehlen, Zeichnung zuerst auf einem – richtig abgemessenen – Bogen weißen Papieres zu entwerfen, um sie dann auf das Bild durchzupausen. Auf jenem Bogen kann man unbedenklich mit dem Radiergummi arbeiten und nach und nach die richtigen Formen gewinnen, die beim ersten Wurf kaum entstehen werden.
Ob das Zusammensetzen mehr oder weniger Geduld erfordert, hängt auch von der Größe der einzelnen Stücke ab, in die das Bild zersägt wird. Je größer die Teilbrettchen sind, umso schneller wird natürlich jene Arbeit fortschreiten – und umso einfacher gestaltet sich auch das Aussägen.
Das ist wohl zu bedenken. Stets wird der Bastler aber darauf achten, dass die verschiedenen Stücke einigermaßen gleiche Größe aufweisen. Beim Schneiden muss die Säge genau senkrecht geführt werden, und es ist nötig, dass man ein recht feines, dünnes Blatt wählt. Grobe Sägen nehmen zu viel Holz weg: die Deutlichkeit des Bildes leidet; die Stücke greifen schlecht und gewinnen keinen rechten Schluss. Recht zweckmäßig ist es, das Brett erst etwa in vier Stücke zu zerschneiden -natürlich nach den aufgezeichneten Linien – und dann diese handlichen Teile weiter zu zerlegen.
Das ganze Spiel erhält zweckmäßig als Unterlage eine nicht zu schwache Papptafel, auf der es dann auch in das Fach eine Spielschrankes gebracht werden kann. Ein ordentlicher Junge räumt sein Spiel erst auf, nachdem alles gehörig zusammengesetzt ist! Er vergisst auch nicht, mit ein wenig Gummi rechtzeitig abzuhelfen, wenn sich das Papier da und dort zu lösen beginnt, was stets vorkommen kann.
Manche Köchin mag die Speisen kaum genießen, die sie bereitet hat. Und so kann es auch geschehen, dass der Bastler sich nicht mit dem Spiel beschäftigen will, dessen Herstellung im vielleicht viel Genuss gewährt hat. Aber dann bietet sein Werk ein hübsches Geschenk, mit dem er anderen eine Freude bereiten kann. Wie werden es die inneren Geschwister schätzen, wenn ihn der ältere Bruder ein Geduldsspiel auf den Geburtstags- oder Weihnachtstisch gelegt!
 

2019-11-21 15:18:44
Bastelfrau (Barbara)