Der kleine Lastkraftwagen

Die große Begeisterung meines Jungen für die dahinlaufenden, keuchenden, knatternden Fahrzeuge mit ihrer geheimnisvollen Fortbewegung hat mich dazu geführt, ihm ein Spielzeug zu bauen, das wohl in jeder Hinsicht den kindlichen Anforderungen entspricht; es ist gefällig, leicht, zweckdienlich und dauerhaft.

Da ich jedoch erwarten musste, dass mit diesem Wagen auch im Zimmer gefahren wird und die Bewohner des unterliegenden Stockwerks darunter zu leiden hätten, habe ich auch diesem Umstand Rechnung getragen und für einen geräuschlosen Lauf gesorgt, was bei den gespannten Mietverhältnissen der Gegenwart besonders hoch anzuschlagen ist. Damit habe ich zugleich ein bewunderungserweckendes Aussehen erreicht. Das Spielzeug ist durch seine starke Bauart zum wirklichen Lastwagen geworden, denn es trägt ruhend etwa 2 Zentner. Mein Junge benutzt es als Selbstfahrer, wobei er sich nach Art der Dräsinen mit den Füßen am Boden abstößt.

 

 

Bei der Ausführung habe ich außer den Gummiläufen nur billige Rohstoffe verwendet und eine einfache Bauart gewählt. Nur die Herstellung der Räder dürfte einige Schwierigkeiten bereiten, die jedoch auch da wegfallen, wo eine Drehbank vorhanden ist. Vielleicht findet der eine oder andere Bastler noch eine einfachere Lösung, die in der Herstellung der Zinkteller enthebt (sie führt ihn auf das manchem Bastler fremde Gebiet der Blechbearbeitung). Immerhin wird sich ein echter Bastler auch davon nicht abhalten lassen und mit dem Drückstahl an der Drehbank sein Glück versuchen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wird die Freude über den Erfolg umso größer sein, als ihm ja die innerliche Befriedigung, in die Geheimnisse eines Verfahrens eingedrungen zu sein, dass so viele wundervolle Gegenstände erzeugt, reichlich entschädigt. Auf das Verfahren selbst einzugehen verbietet der Rahmen dieses Aufsatzes; es soll einer berufenen Feder vorbehalten bleiben.
Wie ich bei dem Bau des Fahrzeuges zu Werke ging, will ich im nachfolgenden schildern und zuerst den Unterbau, das eigentliche Fahrgestell, behandeln. Die zwei Längshölzer a sind derart durch die beiden Achsen b verbunden, dass sie bei der Hinterachse auf zwei entsprechend geformten und verschraubten Lagerflötzen c ruhen, an denen die Achse selbst angeschraubt ist. Die bewegliche Vorderachse ist auf einem Futterholz d aufgeschraubt, das für sich wieder in der Mitte drehbar auf dem Zwischenstück e befestigt wird. Die Achse b besteht aus 8 mm Vierkantstahl, ist 160 mm lang, die Enden auf 6 mm Durchmesser abgedreht und mit Splintloch versehen.

 

 

Abbildung 4 zeigt uns die Konstruktionen des Rades f. Ein Gummiring von 50 mm lichtem Durchmesser und 20 mm Stärke dient als Bereifung. Die Felgen und Speichen werden von zwei geformten Zinkteller gebildet, die aus 0,5 mm starken Zinkblechscheiben auf der Drehbank über einer Holzform (Abbildung 5) mit entsprechenden Vorrichtungen und Stahl gedrückt werden. Dabei ist so zu verfahren, dass der voll allseitig abgerundete (ohne scharfe Kanten) polierte Stahl mit Heft und Widerlager so gegen die drehenden Blechscheiben gedrückt wird, dass man in der Mitte an der Spitze des Reitstocks beginnend stetig den Stahl nach dem Rand bewegt, wobei sich das Blech dehnend in die Hohlform (Abbildung 5) legt, die zweckmäßig auf einer langen Scheibe angebracht ist.

 

 

Das Blech nimmt allmählich unter Aufgebot einer ziemlichen Kraft die gewünschte Form an. Die Nabe besteht aus einer 15 mm langen Eisenhülle von 10 mm Durchmesser und 6 mm Bohrung und wird verzinnt. Der Gummiring wird zwischen die zwei Teller gelegt, die durch 3 bis 4 kleine Nieten verbunden werden. In die mit einem entsprechenden Loch versehenen Teller wird die Nabe eingelötet, und das Rad ist fertig.
Wer nicht über die passenden Vorrichtung verfügt, um solche Räder herzustellen, der kann für den mittleren Teil auch 15 mm starkes Holz verwenden, wobei jedoch zu beachten ist, dass der Durchmesser größer ist als 50 mm, damit der Gummiring fest aufgepresst wird (Abbildung 6). Über die Rahmen a werden dann noch die 5 Querhölzer g angebracht, worauf das Fahrgestell fertig ist.
Der Oberbau besteht aus dem Motorkasten, Führerhäuschen und Wagenkasten. Der Motorkasten h besteht aus einem entsprechend geformten Weißblechstreifen mit angelöteter Kopfwand, erhält unten Bördel zum Aufschrauben auf dem Boden i, der auch das Führerhäuschen trägt. Die Form dieses Bodens ist aus dem Grundriss Abbildung 1 ersichtlich.

In dem Motorkasten kann man ein Weckerwerk mit Federaufzug unterbringen. Durch die Schläge des Klöppels gegen eine Holzwand wird das Motorgeräusch wirkungsvoll nachgeahmt, was den Kindern besonders gut gefällt. Ein entsprechender Hebel oder das Steuerrad können als Abstandvorrichtung dienen.

 

 

Das Führerhäuschen besteht aus einer Vorderwand k und einer Seitenwand l mit Fensteröffnung und einer Seitenwand m mit Fenster und Türen. In der Rückwand n ist ein so genanntes Ochsenauge angebracht und eine Bank o darf auch nicht fehlen. Als Baustoff dient am besten 6-8 mm starkes Sperrholz, das mit der Laubsäge leicht zu bearbeiten ist. Die Verbindungen werden verleimt und vernagelt und vorteilhaft mit kleinen Leistchen p verstärkt. Das Führerhaus wird auf dem Boden i befestigt, der dann auf dem Gestell a angebracht wird, wozu noch das Zwischenstück q nötig ist.

 

 

Der Wagenlasten ist aus 8-mm-Holz gefertigt. Seine senkrechten Kanten werden der größeren Festigkeit halber verzinkt. Der Kastenboden wird mit den Überlagshölzern g verschraubt, ebenso die eine Stirnwand mit der Rückwand n. Nun sind auch die Schutzbleche r für die Räder anzubringen. Die Türe S zum Führerhaus findet mit Scharnieren angeschlagen und ein Riegel angebracht. Das Trittbrett t wird mit zwei Blechwinkeln an den Rahmen a befestigt. An den Futterholz d wird ein am einen Ende als Handgriff ausgebildeter starker Draht u mit zwei Winkeln und einem Splint so befestigt, dass er in senkrechter Richtung beweglich ist.
Ein hellblauer Anstrich gibt dem ganzen ein hübsches Aussehen.