Die Schwerkraft im Spielzeug

Eine Bleikugel, die man an einem Faden oder Drahtstückchen beweglich aufhängt, nimmt infolge ihrer Schwerkraft stets wieder die tiefste Lage unter dem Aufhängungspunkt ein, so oft man sie auch seitwärts oder über denselben zu verschieben sucht. Auf diesem einfachen Vorgang bauen sich viele Spielsachen auf, deren Zahl man durch allerlei Zutaten und Änderungen, je nach dem man über Fantasie und Geschicklichkeit verfügt, entsprechend vermehren kann.

 

Der wirkende und wichtigste Teil ist eine bleierne kleine Kugel, die mit einem senkrechten Drahtstückchen an einem wagrechten beweglichen Draht aufgehängt ist. Die Kugel hat immer das Bestreben, die tiefste Stellung einzunehmen.

 

Beginnen wir nun mit der Anfertigung unsere Spielzeuges! Wir haben als erstes Doktor Faust vorgesehen, wie er, auf einem Weinfass reitend, Auerbachs Keller verlässt. Aus Blech (vielleicht eine zerschnittene Konservenbüchse) fertigen wir uns einen Zylinder an; sollte dies durch das damit verbundene Löten auf Schwierigkeiten stoßen, so benutzt man dünne Pappe zur Herstellung desselben.

 

 

Geschickte Hände können auch ein Fass konstruieren, und das erhöht allerdings den Reiz. Das Fass muss so gestellt werden, dass die Beine des Reiters an den beiden Böden herabhängen. Durch die Mitte der Böden und des hohlen Innern geht ein Draht, der an einer Kniebiegung eine beweglich aufgehängte Metallkugel (Blei) trägt. Außen gehen die Drahtenden mit rechtwinklige Biegung aufwärts in Beine und Leib des Doktors Faust, um dem Letzteren den nötigen Halt zu geben.

Die “Reitergestalt” kann man sich leicht aus einem alten Puppenkörper herstellen, die man entsprechend verkleidet. Nur muss man darauf achten, dass die Bleikugel schwerer ist als der “Reiter”, denn sonst schlägt er einen Purzelbaum und bleibt unten liegen.

An den Platz des Doktor Faustus kann man auch ein ausgestopftes Vögelchen setzen. Dann wird man das Weinfass zweckmäßig in einen braunen oder grünen Zylinder verwandeln (Acker-und Wiesenfarben).
Wird nun diese Spielzeug auf dem Tische oder auf dem Fußboden des Zimmers fortgerollt, so bleibt Faustus oder das Vögelchen stets oben, da im Innern des Zylinders die Bleikugel immer nach unten zieht. Es sieht dann so aus, als husche die Gestalt rasch auf dem Boden entlang.

 

Das dritte Spielzeug bilden zwei dünne Drahtstreifen, deren zwei gegenüberliegenden Stellen durch Querdrähte fest miteinander verbunden sind. Die Querdrähte haben eine Kniebiegung nach innen, auf die wir vor dem Biegen eine kleine Hülse lose aufschieben. Daran hängt nach unten je eine Bleikugel; oben zeigt sich ein kleiner Vogel oder ein Schmetterling, auch farbenschillernde Libellen, die man sich in der Sommerfrische präpariert hat. Abwechslung in den Farben wirkt besonders anziehend und lebhaft.

Wird nun diese Spielzeug gerollt, so tanzen beide Schmetterlinge oder Falter fortwährend umeinander herum, wie wir es so oft in der schönen Natur beobachtet haben! – Hier gibt es feine Aufgaben für jeden Bastler, und der Dank, der aus Brüderleins oder Schwesterleins Lachen unter dem Weihnachtsbaum erklingt, wird manche Mühsal aufwiegen!
 

2019-11-21 15:18:42
Bastelfrau (Barbara)