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Reliefs bemalen

Gespeichert von Bastelfrau am 2 Juli 2014
Reliefs bemalen

Wenn du mit einer größeren Kindergruppe basteln möchtest, dann ist die Vorbereitung das A und O, denn die richtige Vorbereitung erspart dir viel Unruhe - und damit Stress - während der eigentlichen Bastelaktion. Dieses Relief mit Pferdekopf habe ich in meinem "Campingplatz-Karton" wiedergefunden und zum Anlass genommen, euch eine ausführliche Beschreibung zu schreiben. Dabei dreht es sich weniger um eine reine Bastelanleitung fürs Relief gießen als um die komplette Planung und Durchführung einer Malaktion und was man dabei beachten muss.

 

Material und Werkzeug

 

Gießmaterial
Gießmaterial für Reliefs gibt es in vielen verschiedenen Variationen - von vielen verschiedenen Firmen. Das Angebot reicht von einfachem Gießpulver bis hin zu hochtechnisierten Spezial-Gießmassen - was natürlich in den meisten Fällen nicht wirklich nötig ist.
Generell gilt: Beim verwendeten Gießmaterial sollte man bedenken, dass man es auch transportieren muss. Je billiger das Material, um so höher ist meist auch die Bruchgefahr. Es sollte also nicht der billigste Gips aus dem Baumarkt verwendet werden, sondern schon eine Reliefgießmasse, bei der die Bruchgefahr nicht ganz so hoch ist.

 

Farben
Als Farbe kann man von Acrylfarben bis hin zu Farben aus dem Schulmalkasten fast alles verwenden. Will man mit einer größeren Gruppe basteln und soll die Bastelaktion preislich im Rahmen bleiben, lohnt es sich, einmal in "1-Euro-Shops" zu stöbern. Dort findet man oft sehr, sehr preisgünstige kleine Farbmalkästen.
Soll die Bastelaktion aber keine reine Beschäftigungsaktion sein, sondern auch die Möglichkeit bieten, verschiedene Maltechniken kennenzulernen, sollten selbstverständlich höherwertige Farben verwendet werden.

 

Pinsel
Kurz gesagt: Je besser der Pinsel, umso besser das Ergebnis. Ärgerlich ist es immer, wenn die Pinsel beim Malen ihre Haare verlieren. Man sollte also schon ein wenig auf die Qualität achten.
Ansonsten sollten Pinsel in verschiedenen Stärken angeboten werden.

 

Gießformen
Gießformen gibt es nicht nur in vielen verschiedenen Größen und Formen, sondern auch mit verschiedenen Eigenschaften. So sind ein Teil der Formen auch lebensmittelecht und hitzebeständig.

 

Anderes
Du solltest für die Kinder Schürzen bereit halten, damit sie beim Malen ihre Kleidung schonen. Alternativ dazu können auch alte Herren-Oberhemden, die den Kindern verkehrt herum angezogen werden, verwendet werden.

 

Das Gießen der Rohlinge

 

Für das Basteln auf dem Campingplatz sahen meine Vorbereitungen so aus, dass ich die gesamten Reliefbilder selber gegossen habe. Da die einzelnen Reliefs nicht zu teuer werden sollten, habe ich anstelle von Aufhängern halb aufgebogene  Büroklammern als Aufhänger eingegossen. Eine Grundanleitung für das Gießen findest du bei den Bastelanleitungen Türschild fürs Bad.

Die Gießlinge müssen dann gut durchtrocknen und werden anschließend in Küchenkrepp eingepackt. Das Küchenkrepp hat zwei Vorteile: zum Einen färbt es nicht auf den Gießling ab, wie es zum Beispiel Zeitungspapier machen würde. Zum Anderen kann das Küchenkrepp beim Bemalen zum Abtrocknen des Pinsels oder Wegwischen von Farbflecken verwendet werden.

 

Den Tisch für die Bastelaktion "decken"

 

Auf den Tisch gehören zuerst einmal natürlich Farben, Pinsel und Wassergläser. Die Reliefbilder wurden von den Kindern immer einzeln ausgesucht. Bei einer komplett geplanten Aktion kann man die Reliefs aber auch schon vor Beginn der Aktion auf dem Tisch verteilen.
Außerdem sollte der Tisch natürlich mit alten Zeitungen oder einer Wachstischdecke abgedeckt sein, um ihn vor allzu großen Farbflecken zu schützen.

 

Die Pinselgeschichte

 

Wenn alle Kinder sitzen, ist es übrigens ratsam, sie erst einmal über den Umgang mit Pinseln aufzuklären. Um das Verständnis der Kinder zu wecken, habe ich den Kindern immer erklärt, dass ein Pinsel aus einem Kopf, einem Bauch und einem Fuß besteht. Und: Dass es Pinseln so ähnlich wie den Menschen geht - sie stehen nicht gerne lange kopfüber im schmutzigen Wasser. :-)
Wenn du oft mit der gleichen Kindergruppe bastelst, kann dies übrigens dafür sorgen, dass du den Kindern nach und nach qualitativ hochwertigere Pinsel zur Verfügung stellen kannst - und glaube mir: das lohnt sich wirklich!

Damit sind die Vorbereitungen abgeschlossen und die Malerei kann losgehen. :-)

Beim Bemalen der Reliefs passieren oft kleinere und größere Unglücke, die das Basteln mit Kindern leicht zu einer kleinen Katastrophe mit viel Tränen werden lassen. Wenn man weiß, was diesbezüglich auf einen zukommen kann, kann man auch von Anfang an gegensteuern...

Die beliebtesten Mal- und Bastelkatastrophen beim Relief bemalen sind:

 

Zuviel Farbe
Die Kinder verwenden oft zu viel Farbe. Dies führt dazu, dass die Farben verlaufen. Deshalb sollte man die Kinder von Anfang an darauf hinweisen, dass sie mit der Farbe eher sparsam umgehen sollen.
Hilfreich ist es auch, wenn man keine direkt aneinander grenzende Flächen bemalt, sondern immer ein Feld dazwischen frei lässt. Sind die Felder dann trocken, wird dazwischen weiter gemalt.

 

Zu flüssige Farbe
Farben werden leicht zu flüssig, wenn die Pinsel ausgewaschen und anschließend nicht abgetrocknet werden. Dann sammelt sich in der Zwinge Wasser, das die nachfolgende Farbe stark verdünnen kann.

Gegenmittel: Nachdem der Pinsel ausgespült wurde, mit einem Stück Küchenkrepp oder altem Stoff den Pinsel kurz ausdrücken.

 

Die Ränder
Oft wird über die Ränder hinaus gemalt. Dann sieht das Relief nicht mehr ganz so schön aus. Wird Acrylfarbe für das Malen verwendet, sind Korrekturen leicht auszuführen: Man lässt die Farbe trocknen und malt anschließend vorsichtig nach - die meisten Acrylfarben sind hochdeckend und lassen sich so leicht ausbessern.
Manchmal hilft es, wenn man einzelne Konturen mit Glitterstiften oder Gold- bzw. Silberstiften betont. Oft gefällt den Kindern dann das korrigierte Bild besser, als es ohne Glitzerkram der Fall gewesen wäre.

 

Ein buntes Kind
Manche Kinder malen sich mit Begeisterung auch selbst an - mal beabsichtigt und mal unbeabsichtig. Gerne wird auch mal auf dem Pinsel herumgekaut - wenn es schiefgeht, dann auf der haarigen Seite. Hilfreich ist es hier, wenn man a) wasserlösliche und b) ungiftige Farbe verwendet. Dies gilt meiner Meinung nach allerdings nur, wenn es sich um Bastelaktionen mit sehr kleinen Kindern handelt.

 

Meine Erfahrungen - sowohl auf dem Campingplatz, als auch beim offenen Mittagsangebot in der Schule und beim Basteln und Malen mit meinen eigenen Kindern - haben immer wieder gezeigt, dass man den Kindern auf der einen Seite so wenig wie möglich "reinreden" sollte und auf der anderen Seite immer da Hilfestellung geben sollte, wo die Kinder es wünschen. Dabei entstehen dann die tollsten Sachen, denn die Phantasie der Kinder ist in den meisten Fällen einfach unschlagbar. Denn da, wo wir uns noch überlegen, ob Farben zusammenpassen und ob man dieses oder jenes wohl machen kann, fangen Kinder oft einfach an und malen drauf los: Man muss sie nur machen lassen...

 

Hilfe ist übrigens meist nur beim Umgang mit dem Material notwendig, manchmal muss man auch Maltechniken erklären. Dies aber meist nur dann, wenn ein Kind etwas Bestimmtes umsetzen möchte und nicht weiß wie.

 

Anmerken muss ich noch, dass die Kinder an meinen Bastelaktionen immer freiwillig teilgenommen haben - d.h.: Sie wollten malen und basteln. Tipps, wie man mit Kindern umgeht, die das nicht möchten, sondern quasi "zwangsverpflichtet" werden, kann ich euch leider nicht geben.