Ein Loch im Lieblingspullover muss weder sein Ende bedeuten noch möglichst unsichtbar verschwinden. Beim Visible Mending bei Stricksachen werden Reparaturen ganz bewusst gezeigt. Mit buntem Garn, gestopften Flächen, Stickereien oder kleinen gewebten Flicken entstehen aus beschädigten Stricksachen individuelle Einzelstücke.
Früher bestand die Kunst beim Stopfen vor allen Dingen darin, eine Reparatur möglichst unsichtbar zu machen. Passendes Garn, kleine Stiche und etwas Geschick sollten dafür sorgen, dass anschließend niemand mehr erkennen konnte, wo das Loch gewesen war.
Beim Visible Mending bei Stricksachen macht man genau das Gegenteil: Die reparierte Stelle wird hervorgehoben. Ein pinkfarbener Flicken auf einem grauen Pullover, bunte Stiche über einer dünnen Stelle oder eine kleine Blume über einem Loch zeigen ganz offen: Hier wurde etwas repariert.
Inhalt
Was ist Visible Mending bei Stricksachen?
Visible Mending bedeutet übersetzt schlicht „sichtbares Reparieren“. Dahinter steckt weniger eine einzelne Technik als vielmehr eine Art, mit beschädigter Kleidung umzugehen. Und natürlich funktioniert das auch mit anderen Geweben. Hier geht es aber speziell um visible Mending bei Stricksachen und die unterschiedlichen Möglichkeiten
Du kannst ein Loch mit kontrastierendem Garn stopfen, dünne Stellen mit zusätzlichen Fäden verstärken, Reparaturen besticken, vorhandene Strickmaschen übersticken oder fehlende Maschen nacharbeiten. Mit einem kleinen Stopfwebrahmen wie dem Speedweve lassen sich außerdem gewebte Reparaturflächen herstellen.
Dabei muss die Reparatur nicht perfekt aussehen. Kleine Unregelmäßigkeiten können sogar einen Teil ihres Reizes ausmachen.
Welches Garn eignet sich?
Das hängt vor allem vom Strickstück ab. Bei einem dicken Wollpullover kannst du mit entsprechend kräftigem Garn arbeiten. Bei feinem Strick sollte auch das Reparaturgarn dünner sein.
Für eine auffällige Reparatur muss die Farbe natürlich nicht zum Original passen. Gerade Kontraste machen Visible Mending interessant. Auf Dunkelblau können beispielsweise Senfgelb, Rot oder Türkis schön aussehen, während sich auf naturfarbenem Strick auch mehrere gedeckte Farben miteinander kombinieren lassen.
Wichtiger als die Farbe ist, dass Garn und Strickstück zusammenpassen. Ein sehr dickes Garn kann einen feinen Pullover verziehen, während ein sehr dünner Faden bei grobem Strick kaum Stabilität bringt.
Nicht jedes Loch wird gleich repariert
Bevor du Nadel und Garn holst, lohnt sich ein genauer Blick auf die beschädigte Stelle.
Bei einem einzelnen kleinen Loch kannst du anders vorgehen als bei einem Ellenbogen, an dem der Strick bereits großflächig dünn geworden ist. Eine beschädigte Kante benötigt wiederum eine andere Lösung als ein Loch mitten im Vorderteil.
Auch die spätere Belastung spielt eine Rolle. Eine dekorative Reparatur auf der Brust eines Pullovers muss weniger aushalten als eine Reparatur an einer Sockensohle.
Genau deshalb gibt es beim Visible Mending bei Stricksachen nicht die eine richtige Methode.
Die Reparatur wird zum Schmuck
Besonders schön finde ich die Möglichkeit, die Schadstelle in die Gestaltung einzubeziehen. Aus einem kleinen Loch kann beispielsweise die Mitte einer Blüte werden. Mehrere dünne Stellen lassen sich durch wiederkehrende Farben miteinander verbinden.
Und man muss nicht unbedingt warten, bis das erste Loch da ist. Eine Stelle, die bereits deutlich dünner geworden ist, lässt sich frühzeitig verstärken und gleichzeitig verzieren.
Welche Werkzeuge braucht man für visible Mending bei Stricksachen?
Für den Einstieg ist nur sehr wenig notwendig. Stopf- oder Sticknadeln in geeigneter Stärke und ein paar Garnreste reichen für viele Reparaturen bereits aus.
Hilfreich können außerdem ein Stopfpilz oder Stopfei sein. Sie halten den Strick während des Arbeitens in Form. Für gewebte Reparaturen gibt es kleine Stopfwebrahmen wie den Speedweve. Er ist aber nur eine Möglichkeit des Visible Mending und keineswegs für jede Reparatur die beste Wahl.
Das Buch haben wir uns übrigens schon persönlich angeschaut. Wie wir es finden und was dich erwartet, erfährst du in unserem Artikel „Verflickt & zugenäht: Kleidungsstücke ausbessern und verschönern„.
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Fazit
Visible Mending bei Stricksachen ist viel mehr als buntes Stopfen. Je nachdem, ob Maschen fehlen, das Gestrick nur dünn geworden ist oder eine stark beanspruchte Stelle repariert werden muss, kommen unterschiedliche Techniken infrage.
Wer Farbe und Reparaturtechnik bewusst auswählt, kann aus notwendigen Ausbesserungen nach und nach ein Gestaltungselement machen. Gerade ältere Lieblingsstücke bekommen dadurch einen ganz eigenen Charakter.
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Über die Autorin
Bastelfrau (Barbara)
Basteln begleitet mich seit meiner Kindheit. Was danach kam, liegt schon lange zurück, noch im letzten Jahrtausend: 1987 startete ich auf Kunsthandwerkermärkten, 1991 eröffnete ich den Laden Die Duft- und Malstube. Später gab ich große Bastelkurse auf Campingplätzen – teils mit über 100 Teilnehmer*innen – und erhielt den Namen Bastelfrau. Ich veröffentlichte zwei Kreativbücher beim Frech Verlag, ein Buch beim Christopherus Verlag und die Bastelzeitschrift Bastelfrau mit dem Verlag Kindermedien. Einmalig durfte ich meine Bastelideen auch im Fernsehen zeigen, bei Volle Kanne Susanne (ZDF) und im Kinderkanal. Das war eine ereignisreiche Zeit. Heute unterstütze ich meine Tochter, die in meine Fußstapfen tritt – ganz ohne Druck, einfach aus Spaß an der Freude.
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