2. Oktober 2022
Das Handwerkszeug in der Flickstube

Das Handwerkszeug in der Flickstube

In der Flickstube ist besonderes Handwerkszeug notwendig, das wir zu anderer Näharbeit nicht gebrauchen.

 

 

Zunächst nennen wir hier die Stopfnadeln, die, in verschiedenen Nummern erhältlich, länger als gewöhnliche Nähnadeln sind und vor allem ein längliches Öhr besitzen, damit das ungedrehte Stopfgarn, das für feine Sachen geteilt, für weniger feine in ganzer Stärke verwendet wird, leicht eingefädelt werden kann.

 

Für das Stopfen von Strümpfen werden den Sticknadeln ähnliche Stopfnadeln genommen, nur dass letztere spitzig sind und nicht stumpf, wie die Sticknadeln, die man zum Sticken auf Stramin und ähnlichem Gewebe nimmt.

 

Zum Stopfen von Stoffen bedient man sich eines Kissens, das wir mit Leichtigkeit selbst herstellen können. 

Stopfkissen

 

Es misst im Quadrat 15-20 cm und wird aus Futterstoff hergestellt. Man füllt den Sack mit Kleie oder Sand und näht die vierte Seite mit überwendlichen Stichen zu. Aus Satin oder Kattun wird ein Bezug genäht, auf dessen eine Seite ein Stück Wachsleinwand aufgesteppt wird, bevor der Bezug zugenäht wird. Zuletzt wird er über das Kissen gezogen. Beim Stopfen wird die zu stopfende Stelle des Wäschestückes auf das Kissen gelegt und mit Stecknadeln festgesteckt.

 

Zum Stopfen der Strümpfe bedient man sich eines Stopfholzes. Es werden verschiedene Arten verkauft.

Stopfpilz und Stopfkugel

 

Das Stopfholz wird auch beim Stopfen von Ärmeln verwendet, und immer dann, wenn es unmöglich ist, das Stopfkissen zu gebrauchen.

 

Endlich ist ein Maschenstopfapparat samt Rahmen für Maschinenstopfe unerlässlich. Verschiedene Maschinensysteme haben als Hilfsapparat einen Stopfer, so dass sich eine besondere Anschaffung in vielen Fällen erübrigt.

 

Wer aber bei seiner Maschine keinen Stopfapparat hat, kann sich einen in fast allen Nähmaschinengeschäften kaufen, wo auch der Stopfrahmen zu haben ist.

Maschinenstopfapparat und Stopfrahmen

 

Beim Gebrauche wird der gewöhnliche Nähmaschinenfuß abgeschraubt und an seiner Stelle der Stopfapparat angeschraubt. Die zu stopfende Stelle des Wäschestückes wird in den Rahmen gefasst. Die Maschenenstopftechnik besteht darin, dass man während des Tretens der Maschine den Rahmen mit beiden Händen hin und her schiebt und in dichten Reihen auf- und absteppt. Die Maschinenstopfe ist sehr leicht ausgeführt und sehr haltbar. Man kann sogar Strümpfe auf diese Art stopfen, nur muss dann die Stichplatte im Maschinenstich herausgenommen werden, da sonst die gezähnte Stelle des Strumpfgewebe beim Hin- und Herschieben zerreißen würde.

 

Zur Handstopfe verwendet man vierfach teilbares Knäuelgarn, zur Maschinenstopfe ein sehr feines, in Maschinengeschäften verkäufliches Spulenstopfgarn.

 

Diese Anleitung stammt aus der Zeit um 1900.

 

 

2018-08-06 11:07:25