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Das Ausbessern eines Herrenhemdes aus Normalstoff

Gespeichert von Bastelfrau am 6 Juli 2019
Das Ausbessern eines Herrenhemdes aus Normalstoff

Ein Herrenhemd wird meist seitlich der Brust, infolge der Reibung mit den Hosenträgern und unter dem Arm reparaturbedürftig. Die Ausbesserung ist nicht schwierig, weil sich die Längskante des Flickens unter dem Brustlatz verbergen lässt. 

 


Das Herrenhemd mit viereckigem Brustlatz

 

Die Abbildung zeigt uns ein Hemd mit viereckigem Brustlatz. Dei schadhafte Stelle ist die oben erwähnte. Man beginnt mit dem Lostrennen des Ärmels und der Achselnaht und dem Auftrennen des Brustlatzes. Normalhemden sind rund gewirkt und haben keine Seitennähte. Bei einem Herrenhemd aus Leinen wäre deshalb die Ausbesserung hinsichtlich der Unterarmnaht verschieden und bestände im gleichen Fall aus zwei Flicken, statt wie im vorliegenden Fall aus einem.

Der aufgesetzte Flicken auf Ersatzstoff.

 

Die Abbildung zeigt den mit Stecknadeln aufgehefteten Flicken auf dem Ersatzstück. Im Armloch und an der Achsel wird keine, an den anderen vier Kanten eine 1 1/2 cm breite Naht stehengelassen. Natürlich muss die Fadenlage, das heißt in diesem Falle die Richtung der Maschen des gewirkten Stoffes, bei dem schadhaften Flicken und dem Ersatzstück genau die gleiche sein. Es werden nun zuerst die drei Kanten 1 -2 -3 des Ersatzstückes in das Hemd eingenäht. Das Einnähen geschieht mit der Maschine. Für das Heften und Zurichten vergleiche man 

Das Einheften des viereckigen Flickens

 

Dann werden die Nahtkanten heruntergesteppt. Das Umschlagen der Nahtkanten empfiehlt sich nicht, weil sonst die Naht zu sehr aufträgt. Man steppt die zwei Nahtkanten nach der Abbildung

Die herunter gesteppte Naht im Normalstoff.

 

zusammen nieder und schneidet dann die Kanten knapp am Gesteppten ab. Oder man streicht die Nähte auseinander und steppt jede für sich ohne Umschlag.

Die auseinander gestrichenen, herunter gesteppten Nahtkanten

 

Eine ebenfalls brauchbare Art ist das Annähen der Kanten mit einem Hexenstich, wie hier 

Der eingesetzte Flicken in der Achselgegend

 

gezeigt wird.

In unserem Falle wurden die Ansatznähte 1, 2, 3 des Flickens nach dieser Abbildung 

 
Die herunter gesteppte Naht im Normalstoff

 

gearbeitet. Nun wird die Naht 4 rechtseitig ausgeführt, die Kanten werden auseinandergebügelt und jede Kante für sich mit Hexenstichen festgenäht. Dies ist notwendig, damit die Nahtkanten sich beim Waschen nicht zusammenrollen und später schnurartig unter dem Brustteil sich bemerkbar machen können.

Der eingesetzte Flicken am Unterarm.

 

Die Abbildung zeigt den bereits fertig eingesetzten Flicken mit dem zurückgeschlagenen Brustlatz.

Bei der Abbildung (Der eingesetzte Flicken in der Achselgegend) wird die Achsel veranschaulicht. Die Achselnaht ist in üblicher Weise zusammengenäht und der Brustteil bis auf ein kleines Stück aufgesteppt.

Bei der untenstehenden Abbildung

Der gestickte Zwickel im Hemdärmel.

 

sehen wir den ausgebesserten Zwickel des Ärmels. Auch hier wurde die Naht wie in der Abbildung oben (Die auseinander gestrichenen, herunter gesteppten Nahtkanten) ausgeführt.

Wir nähen jetzt den Ärmel in ganz gleicher Art ein, wie er vorher eingenäht war. Meist wird die Ärmelnaht als Kappnaht behandelt. 

Bei Herrenhemden werden auch Hals- und Ärmelbündchen oft schadhaft. Man stopft sie sauber oder man setzt sie aus neuem Stoff. Das Stückeln eines Halsbündchens ist nicht empfehlenswert, weil Ansatznähte am Halse unter dem aufgeknöpften gestärkten Kragen leicht drücken. Man trenne Hals- und Ärmelbündchen recht sorgfältig aus, damit sich der sehr dehnbare Normalstoff nicht verzieht. Um dies zu verhindern, werden die Ränder des Halsloches und Ärmel mit losen Stichen umschlungen. Entweder werden die neuen Bündchen aus Hemdentuch genau nach den alten hergestellt, oder man kauft bereits fertige Bündchen (Queder) im Weißwarengeschäft. Sie werden in üblicher Weise eingenäht. Das Herrenhemd wird bekanntlich seitlich nicht bis an den unteren Rand geschlossen. Es bleibt an beiden Seiten ein Schlitz offen, der mit Schlitzzwickel benäht wird, um das Ausreißen zu verhindern. Trotzdem reißen die Nähte an dieser Stelle sehr gern aus. Je nach dem Schaden stopft man die Stelle oder setzt viereckige Flicken ein. Natürlich muss der bekannte Schlitzzwickel neu eingenäht werden. Man kann aber auch den Schlitz sichern, wie die unten stehende Abbildung veranschaulicht.

Durch Langettenstiche und Riegel gesicherter Schlitz

 

Die Befestigung besteht aus Langettenstichen, welche das Ende der Schlitzsäume befestigen, und aus einem Riegel, der die beiden Schlitzränder vor dem Ausreißen bewahrt. Das Stopfen von Normalstoff ist nach der unten stehenden Abbildung auszuführen.

Das Einnähen eines aufgesetzten Flickens  

 

Das Ausbessern von Herrenhemden aus Leinen geschieht auf die gleiche Art, wie die oben beschriebene. Nur die Versäuberung der Nähte ist verschieden. Man richte sich in dieser Beziehung nach der Beschreibung, wie man Damenhemden und -beinkleider flickt.

 

Info: Diese Anleitung stammt aus der Zeit um 1900.